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Klettergarten in Eitweg soll mit Hochseilpark erweitert werden – Nachbarn setzen sich zur Wehr Ausgabe 21 | Mittwoch, 25. Mai 2022

Anrainer rief Bürgerinitiative gegen die Erweiterung ins Leben. Er klagt über Probleme wegen des Klettergartens und stemmt sich gegen den geplanten Park. Laut Alpenverein liegt Entscheidung bei der Gemeinde, Bürgermeisterin Knauder will Konsens finden.

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St. Andrä. Er möchte kein »böses Blut«, betont der Eitweger Norbert Kollienz. Aber zusehen, wie der bestehende Klettergarten erweitert wird, will er auch nicht. Der 57-jährige Montageleiter, dessen Haus nahe der Freizeiteinrichtung steht, hat daher die Bürgerinitiative »Anrainer Eitweger Klettergarten« ins Leben gerufen und bisher 45 Unterschriften gegen die geplante Errichtung eines Hochseilparks gesammelt. »Wir haben dabei aber nur die Anrainer, die an der betroffenen Straße wohnen, nach einer Unterschrift gefragt«, so Kollienz.

Die Vorarbeiten für die Erweiterung gehen voran. Der St. Andräer Gemeinderat hat in der Sitzung am 10. Mai einstimmig die Nachträge zu den Bestandsverträgen mit den von der Erweiterung betroffenen Grundeigentümern beschlossen. Eine Information der Anrainer gab es bisher nicht, was Kollienz kritisiert: »Ich habe nur durch Zufall von den Erweiterungsplänen erfahren. Als ich mich bei der Gemeinde danach erkundigt habe, gab es keine Antwort.« Danach begann er mit der Unterschriftensammlung.

»Der Verkehr an Wochenenden hat sich mindestens verfünffacht«
Norbert Kollienz, Anrainer

Der 57-Jährige ist kein grundsätzlicher Gegner der Anlage: »Als der Klettergarten 2016 eingeweiht wurde, war ich selbst mit dabei. Doch dann wurde der Trubel immer größer.« Erst gab es Probleme mit verparkten Anwohnereinfahrten, die sich besserten, als 2020 ein Parkplatz errichtet wurde. Mittlerweile wird der Garten von Besuchern aus ganz Kärnten, der Steiermark und anderen Bundesländern sowie aus Slowenien genutzt – mit Folgen für die Anwohner. Kollienz: »Der Verkehr an Wochenenden hat sich mindestens verfünffacht. Es ist ein ständiges Ankommen und Abfahren.« Die einst ruhige Zubringerstraße ist großen Belastungen ausgesetzt, Anwohner, die seit rund 80 Jahren am einst ruhigen Waldrand leben, seien bei ihren Spaziergängen in Gefahr.

Jedes Wort ist zu hören

Bei »richtiger« Wetterlage sei dazu jedes von den Kletterern gesprochene Wort zu hören – samt den Geräuschen, die bei dieser Sportart entstehen. Kollienz ist weiters mit der hygienischen Lage nicht zufrieden: Sportler würden sich nach weiten Anreisen im Wald erleichtern, statt die aufgestellte mobile Toilette zu benutzen. »Und mitgebrachte Haustiere erledigen ihr Geschäft natürlich sofort am Waldrand«, sagt der Anrainer, der die resultierende Verschmutzung beklagt. 

Schließlich führt er die Gefahr durch rauchende Kletterer für den Wald an, beklagt die Verdichtung des Waldbodens, die ablaufendes Regenwasser immer näher an die Häuser bringt, sowie die von den Fahrzeugen getöteten Tiere, speziell der geschützten Feuersalamander.

»Es wird eine Info-Veranstaltung geben, wir wollen eine Konsenslösung finden«
Maria Knauder, Bürgermeisterin

Kollienz fordert: »Die geplante Erweiterung ist zu verwerfen. Außerdem soll die Bewerbung des Klettergartens im Internet beendet werden, um nicht weit entfernt lebende Sportler zu uns zu bringen. Der Garten soll von den Lavanttalern genutzt werden.« Er wünscht sich auch, dass die Gemeinde das Umweltgutachten des bestehenden Garten vorlegt und den Anrainern Einsicht in die Planungsunterlagen der Erweiterung gewährt.

Der Eitweger: »Wir akzeptieren den Klettergarten für die Einwohner des Tals, wenn die Hygiene passt, im Wald nicht geraucht wird und eine gewisse Ruhe herrscht. Wir hoffen, dass wir Gehör finden und man auf uns schaut. Wenn nicht, gründen wir eventuell einen Verein, um Parteistellung im Verfahren zu erhalten.«

Die St. Andräer Bürgermeisterin Maria Knauder (SPÖ) sagt: »Wir haben das Projekt eingereicht, um im Rahmen des kommunalen Hilfspakets finanzielle Unterstützung zu erhalten. Die gesetzlichen Vorgaben müssen aber natürlich eingehalten werden. Die Verhandlungen über die Grundverträge haben bereits stattgefunden, als nächstes müssen die Bewilligungen eingeholt werden.« Wenn sie vorhanden sind, soll laut Knauder eine Informationsveranstaltung für die Anwohner stattfinden, »denn wir wollen eine Konsenslösung finden und niemanden übergehen. Ich kann aber nichts sagen, wenn es noch keine Genehmigung gibt«. Sie verstehe, dass die Anrainer Ruhe wollen, »aber die Gemeinde will touristisch etwas weiterbringen«.

Errichtet wurde der Klettergarten vom Alpenverein Wolfsberg, der ihn auch betreut. Sportkletterreferent Christian Grübler betont: »Der Garten ist Sache der Gemeinde, wir sind nicht die Betreiber. Wir würden allerdings den geplanten Hochseilpark pachten und betreiben – wenn er kommt.« Grübler hebt auch hervor, der Klettergarten werde im Internet nicht aktiv beworben: »Das geht nicht von uns aus, das machen die Besucher selbst, die ihre Fotos ins Internet stellen.«

Zwei Monate Betrieb

Auf die Frage, ob er sich einen Verzicht auf die Erweiterung vorstellen kann, meint er: »Das muss die Gemeinde entscheiden. Fest steht aber auch, dass wir immer wieder die Anrainer befragt haben – und jetzt ist man dagegen.« Der Betrieb des Hochseilparks würde nur in den Monaten Juli und August von 11 bis 16 Uhr laufen – »und auch da nicht täglich. Die Belastung der Anrainer hielte sich also in Grenzen.« 

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