Niedergelassene Ärzte würden gerne impfen, bekommen aber seit Wochen keinen Impfstoff Ausgabe 16 | Mittwoch, 21. April 2021

Um die Corona-Impfungen schneller voranzutreiben, gibt es seit Wochen für niedergelassene Ärzte die Möglichkeit, Impfungen zu verabreichen. Viele Ärzte würden gerne impfen, warten aber seit Wochen auf Impfstoff. Wer impft, ist nicht so leicht zu eruieren.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Würden gerne mehr impfen, müssen aber auf Impfstoff warten. Ein Problem, das nicht nur Erich Maurer (l.) und Gernot Zambo (r.) haben, sondern über das sich alle niedergelassenen Ärzte, die derzeit impfen möchten, ärgern. Fotos: UN

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Lavanttal. Nach dem etwas missglückten Impfstart seitens des Bundes, war Kärnten Vorreiter dabei, dass auch niedergelassene Ärzte Corona-Impfungen durchführen dürfen. Bereits seit März können sich Kärntner bei 260 Impfärzten kostenfrei immunisieren lassen.

Doch für die Ärzte ist das Impfen derzeit nicht so einfach, denn der Impfstoff ist rar. Einige Mediziner aus dem Lavanttal konnten trotz des Engpasses die erste Teilimpfung mit AstraZeneca verabreichen, warten mittlerweile aber seit über zwei Wochen auf weitere Impfstofflieferungen.

»Wäre die Liste öffentlich, würden Fremdpatienten die Ordinationen stürmen, obwohl kein Impfstoff da ist«
Michael Salbrechter, Ärztekammer Kärnten

195 Impfungen hat der Bad St. Leonharder Arzt Dr. Gernot Zambo bisher durchgeführt.  Zambo erzählt: »Verimpft wird AstraZeneca, da die Lagerung im Vergleich zu anderen Impfstoffen einfacher ist. Man kann sie im Kühlschrank aufbewahren. Ich impfe strikt nach dem Impfplan des Bundes.« 

Auch er hat mit Lieferproblemen zu kämpfen, zuletzt konnte Dr. Zambo Anfang April 49 Menschen den Impfstoff verabreichen. »Ich könnte wesentlich mehr verimpfen, aber es hängt alles von der zur Verfügung gestellten Impfstoffmenge ab.« Zu gravierenden Nebenwirkungen sei es bei seinen Patienten nicht gekommen. Manche Geimpfte hatten über »leichtes Fieber, Gliederschmerzen oder Schüttelfrost« geklagt.

Auf etwas über 60 Impfungen kann Dr. Erich Maurer aus Wolfsberg zurückblicken. »Ich würde gerne mehr impfen, habe aber erst zwei Lieferungen erhalten. Seit mittlerweile zwei Wochen gibt es für uns keinen Impfstoff mehr. Das ärgert mich, denn in anderen Bundesländern ist sehr wohl für die niedergelassenen Ärzte Impfstoff vorhanden. In Kärnten geht alles an die Impfstraßen«, sagt Maurer. 

Verimpft wird von Maurer der AstraZeneca-Impfstoff laut Impfplan. Auch seine Patienten berichteten über die üblichen Nebenwirkungen wie Gliederschmerzen, Fieber, Kopfschmerzen, wobei davon fast ausschließlich Frauen betroffen seien. 

Ebenfalls an die 200 Impfungen durchgeführt hat Dr. Harald Pressl in Wolfsberg. »200 weitere Personen stehen auf der Warteliste, aber ich bekomme keinen Impfstoff. Die letzte Lieferung gab es vor zwei Wochen«, erzählt Pressl. Auch bei seinen Patienten kam es nach der Impfung zu keinen gravierenden Nebenwirkungen. Die große Herausforderung komme auf die Ärzte aber erst zu – und zwar in acht Wochen. Denn dann sind die ersten Patienten bereits mit ihrer zweiten Impfung an der Reihe. »Wie wir das bewerkstelligen werden, ist noch schwer vorzustellen. Aber wir werden es schon schaffen«, so Pressl.

Gerne impfen würde auch Dr. Frank Bolvari aus Wolfsberg. Würde, denn er wartet noch immer auf seine erste Lieferung des Impfstoffs von »Johnson & Johnson«. Bei diesem ist mittlerweile zwar die erste Lieferung in Österreich eingetroffen, aber aufgrund von Thrombosen derzeit ein Impfstopp verhängt.

So läuft es mit den Impfärzten

Die Impfärzte vergeben die Termine selbst, gehen dabei aber strikt nach den Vorgaben des Bundes bzw. des nationalen Impfgremiums vor. Die Risikopatienten werden üblicherweise von den Ärzten verständigt, sie besitzen die entsprechenden Listen und bewerten ihre Patienten nach den Vorgaben des Bundes.

Darüber hinaus dürfen Impfungen aber auch an allen anderen krankenversicherten Personen bzw. deren anspruchsberechtigten Angehörigen durchgeführt werden, sofern ausreichend Impfstoff vorhanden ist und dieser nicht innerhalb der Haltbarkeitsfrist an Personen laut Impfplan verimpft werden kann. Wer von den niedergelassenen Ärzten im Lavanttal gegen Corona impft, war nicht in Erfahrung zu bringen, die Namen der Ärzte werden von der Kärntner Ärztekammer nicht veröffentlicht. Nur so viel konnten wir erfahren, dass es sich um 24 Impfärzte im Bezirk handelt.

Michael Salbrechter von der Ärztekammer Kärnten erklärt: »Der Grund dafür ist, dass aktuell nach wie vor viel zu wenig Impfstoff zur Verfügung steht und die Ärzte maximal einzelne eigene Patienten impfen können. Wäre die Liste öffentlich, würden Fremdpatienten die Ordinationen stürmen, obwohl eh kein Impfstoff vorhanden ist. Durch die Lieferprobleme von AstraZeneca gibt es aktuell keine weiteren Impfdosen für die Ordinationen.«

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