Im Schaltjahr zieht der Schimmelzug wieder von Gemmersdorf nach Eitweg und treibt den Winter ausAusgabe 7 | Mittwoch, 12. Februar 2020

Die »Brauchtum Schimmelgruppe FF Eitweg« veranstaltet alle vier Jahre eine der traditionsreichsten Veranstaltungen der Region: Den Eitweger Schimmelzug. Bis zu 6.000 Besucher werden erwartet, die sich heuer auf einige Neuerungen gefasst machen dürfen.

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Eitweg. Ganz Eitweg und Gemmersdorf ist auf den Beinen, Besucher kommen aus nah und fern, und sogar Schulklassen haben in der Vergangenheit bereits ihre Sprachwochen verschoben, um nur ja nicht den Eitweger Schimmelzug zu versäumen, den die »Brauchtum Schimmelgruppe FF Eitweg« alle vier Jahre am Faschingssonntag veranstaltet. 

Das traditionsreiche Spektakel fand das erste Mal 1923 in St. Ulrich, das zwischen Eitweg und Gemmersdorf liegt, statt. »Der Schimmel symbolisiert den Winter und das Schimmelschlagen das Winteraustreiben«, weiß Oberschimmelrat Johann Lippi, der sich  seit Jahren intensiv mit der Geschichte und der Entwicklung dieses einzigartigen Brauchtums auseinandersetzt. »Wir sind die einzigen in Österreich, die diesen Brauch pflegen.« Zum historischen Hintergrund des Schimmelzugs  kamen und kommen durch Lippis Recherchen jedes Jahr neue Erkenntnisse hinzu: »Dieses Brauchtum ist viel tiefgründiger, als zuerst angenommen.«

Händler und Korbweibl

Fast 40 Personen sind in den Schimmelzug involviert, der nach einem seit 1962 festgelegten Ablauf zu erfolgen hat. Vom Händler über den Fleischhauer und den Schimmeltreiber bis hin zu Habergeißen, Schönperchten und dem Korbweibl gibt es viele Rollen zu besetzen. Als ältestes aktives Mitglied dabei ist der 84-jährige Ewald Madlener, der heuer in die neue Rolle des orientalischen Händlers schlüpft. »Wir haben heuer einen Businesshändler und einen orientalischen Händler, denn auch Brauchtum ist immer in Bewegung«, sagt Lippi. Neu ist außerdem die Figur des Abdeckers. 

»Dieses Brauchtum ist viel tiefgründiger, als zuerst angenommen«
Johann Lippi
Oberschimmelrat

Erstmals wird es auch einen Leichenzug mit Trauergästen geben. »Damit es einen offiziellen Abschluss gibt, wird der Schimmel auf einer Bahre zurück ins Rüsthaus getragen«, verrät Klaus Steffelbauer, der seit Jahren den »Rosser« (Pferdeführer) gibt. »Die Rolle ist gar nicht so einfach, denn das Pferd war vier Jahre im Stall und ist natürlich wild, wenn es wieder ins Freie darf«, schmunzelt Steffelbauer.

Fasching und Schimmelzug

Etwa mit der Einführung des Schimmelzugs kamen auch die ersten Faschingsumzüge in der Region auf. In Eitweg sind Schimmelzug und Faschingsumzug daher untrennbar miteinander verbunden und finden gemeinsam alle vier Jahre statt. »Es sind zwei Paar Schuhe, die man nicht trennen kann«, erklären Lippi und Steffelbauer. Um die 40 Umzugswagen nehmen am Schimmelzug teil, der Schimmel und sein Gefolge reihen sich in den Umzug ein. »Wir sind immer von der größten Menschentraube umringt«, so Steffelbauer. Das Schauspiel besteht aus mehreren Stationen (Details siehe Info-Box) und zieht im Schnitt zwischen 5.000 und 6.000 Besucher an.  Ist der Schimmel geschlagen und somit der Winter ausgetrieben, herrscht in Eitweg Ausnahmezustand und der Fasching wird groß gefeiert.

Information:
Wann:
Faschingssonntag, 23. Februar.
Ab 12 Uhr: Sammeln des Faschingsumzugs beim ehemaligen GH Hölli in Gemmersdorf.
Ab 13 Uhr: Abmarsch bis zum GH Kunter in Eitweg.
Etwa 14.30 Uhr: »Schimmel wassern« beim GH Kunter.
Etwa 15 Uhr: »Schimmelschlagen«  beim Rüsthaus der FF Eitweg. Anschließend wird gefeiert, etwa bei der After-Faschingsparty im Sportlerheim des SV Eitweg.

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