Im Gespräch mit Waltraud Riegler.Ausgabe | Mittwoch, 24. Oktober 2018

Die Lavanttaler Unternehmerin Waltraud Riegler spricht im Interview mit den Unterkärntner Nachrichten über das »Paradies« vor der Haustür, ihre Rolle beim WAC, Neider, ihre Kinder, das Erfolgsgeheimnis ihrer Ehe und auf was sie ganz besonders stolz ist.

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Wo und wie sind Sie im Lavanttal aufgewachsen?
Ich stamme aus St. Paul und hatte dort als Kind und Jugendliche eine sehr, sehr schöne Zeit. Alles war unkompliziert, meine Eltern und ich hatten keinen großen Luxus, aber es hat uns auch an nichts gefehlt. Wenn ich zurückdenke, fallen mir fast nur positive Dinge ein.

Sie könnten am Wörther See oder irgendwo am Meer wohnen. Warum leben Sie mit Ihrer Familie weiter im Lavanttal?
Ich könnte mir nicht vorstellen, wegzuziehen. Hier sind meine Wurzeln, hier ist meine Heimat, hier fühle ich mich wohl. Sind wir doch ehrlich, wir leben ja in einem Paradies, leider ist einem das nicht immer bewusst. Ich bin in einer halben Stunde am Berg und kann Skifahren, in kürzester Zeit bei einem See und in zwei Stunden am Meer. Ich fahre gerne auf Urlaub, aber am Ende bin ich froh, wenn ich zu Hause sein kann.

Was fasziniert Sie am Fußball?
Wenn es in meiner Jugendzeit in St. Paul ein Match gab, ist fast der gesamte Ort auf den Fußballplatz gepilgert. Ich war schon als Kind dabei. Es war ein gesellschaftliches Ereignis, mich hat aber das Spiel interessiert und ich sah von der ersten bis zur letzten Minute zu. Das hat sich übrigens bis heute nicht geändert.
Sie lernten Ihren Mann am Fußballplatz kennen, haben Ihnen seine Wadln gefallen?
Eigentlich hat er mich entdeckt, besser gesagt, meinen Mantel. Der ist ihm aufgefallen und er dachte sich, der ist cool. Dann wollte er wissen, wem er gehört. Wie es ausschaut, hat ihm auch der Inhalt des Mantels gepasst.

Sie haben sich in einem Interview  beim WAC als »Mädchen für alles« bezeichnet ...
Ja, der Begriff trifft wirklich ins Schwarze. Ich versuche in erster Linie, meinen Mann zu unterstützen. Ich kümmere mich, wenn die Spielerfrauen etwas brauchen, wie zum Bespiel einen Kindergartenplatz. Ich unterstütze jetzt wieder die Organisatorin des WAC-Balls. Bei Problemen sagt mein Mann oft, rufts meine Frau an. Ich helfe gerne, weil ich mir immer denke, ich wäre auch froh, wenn mich jemand unterstützen würde, wenn ich irgendwo in der Fremde leben müsste, wo ich niemanden kenne.
 
Was zeichnet den WAC besonders aus?
Wir sind kein großer Verein, unser Team ist klein. Das fängt beim Vorstand an und hört beim Sekretariat auf. Dort arbeiten drei Personen, bei anderen Vereinen sind es oft zwölf oder fünfzehn. Wir müssen also zusammenhalten und jeder muss in den verschiedensten Bereichen mitarbeiten und den anderen unterstützen, sonst würde es nicht gehen. Das stärkt die Gemeinschaft und den Zusammenhalt. Das gefällt auch vielen Spielern. Nicht umsonst ist Michi Liendl wieder zu uns zurückgekommen.

Welche Rolle spielt der Sport in der Familie?
Keine so große, wie man vielleicht denken möchte. Am Spieltag oder am Tag danach sprechen wir schon über das Match, das war`s aber auch schon. Fußball ist für uns in der Familie nicht das Wichtigste im Leben.  

Was müsste passieren, dass sich Ihr Mann und Sie nicht mehr für den Verein engagieren?
Keine Ahnung! Sicher macht es mehr Spaß zu gewinnen, als zu verlieren, und die vergangene Saison war nicht immer leicht. Aber wir haben so viel Arbeit und Energie in den Klub gesteckt und viel erreicht. Deshalb ist es für mich unvorstellbar, dass wir alles hinschmeißen. Wegen ein paar Niederlagen ganz sicher nicht.

Sie könnten locker die »feine Dame« spielen, weshalb stellen Sie sich trotzdem noch in Ihren Kosmetiksalon?
Ich begann vor über 20 Jahren als Ein-Frau-Betrieb in meinem Kosmetiksalon in St. Andrä und jetzt arbeiten sieben Mitarbeiterinnen für mich. Ich habe in den Jahren zu hart gearbeitet, um das aufzugeben und es macht mir auch noch immer Spaß. Außerdem bin ich nicht der Typ, der zu Hause oder in Kaffeehäusern rumsitzt. Mir wäre viel zu langweilig. Außerdem würden viele soziale Kontakte verloren gehen und weniger neue entstehen.  
Was wollen Sie Ihrem Sohn und Ihrer Tochter vermitteln?
Beide wachsen bodenständig auf. Mein Mann und ich sagen ihnen immer wieder, von nichts kommt nichts. Sie bekommen auch mit, dass man im Leben etwas leisten muss, damit man sich etwas leisten kann. Das sagen wir den Kindern nicht nur, das versuchen wir ihnen auch täglich vorzuleben.

In Ihrer Position gibt es Neider, wie gehen Sie damit um?
Die gibt es überall. Ich denke mir dann, Neid muss man sich erarbeiten, nur das Mitleid bekommt man geschenkt. Mit der Zeit lernt man, damit umzugehen. Man kann nie jedem alles recht machen und man kann nie jedem zu Gesicht stehen. Mit der Zeit kann man gut unterscheiden,  wem man vertrauen kann und wem nicht.

Sie haben sich in einem Interview als nachtragend beschrieben, wie äußert sich das?
Ich bin ein guter Mensch und helfe Leuten gerne und wo ich nur kann. Aber wenn mich jemand wirklich enttäuscht oder mich verletzt hat, dann hat der es schwer, mein Vertrauen oder meine Freundschaft zurückzugewinnen.

Sie haben Ihren Mann mit 17 Jahren kennengelernt, die Ehe hält nun schon über 30 Jahre. Was ist das Erfolgsrezept?
In einer Ehe ist nicht immer alles eitel Wonne und Sonnenschein. Es gibt viele Herausforderungen, und wenn man die gemeinsam meistert, dann schweißt das unglaublich zusammen.

Auf was sind Sie besonders stolz?
Natürlich auf meine Familie, auf die beiden Kinder, aber auch auf das, was mein Mann und ich gemeinsam geschaffen haben. Ich bin auch stolz, dass es mir gelungen ist, mein Geschäft aufzubauen und dass ich auf eigenen Füßen stehen kann. Eigentlich bin ich stolz darauf, dass es ist, wie es ist.

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