Gastro-Öffnung: Nur wenige Wirte im Lavanttal könnten ab 27. März einen Gastgarten aufsperren Ausgabe 10 | Mittwoch, 10. März 2021

Ab 27. März soll die teilweise Öffnung der Gastronomie stattfinden. Gastgärten dürften dann öffnen, das Betreten der Räumlichkeiten bliebe verboten. Ein Blick zu den Gastronomen im Tal zeigt, dass es sich für viele nicht rechnet, ihre meist kleinen Gastgärten zu öffnen.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Nadles Von Horst Nadles officeno@spamunterkaerntner.at
Doris Morolz-Prisse und Gottfried Morolz (gr. Bild) von der Café-Konditorei Prisse haben ihren Sitzgarten für die Öffnung neu gestaltet. Bild rechts: Der Gastgarten beim Brauhof Franz Josef in Wolfsberg bleibt zu, wie die Wirtsleute Josef und Sonja Kraschowitz mitteilen. Egal, ob das Aufsperren erlaubt wird oder nicht. Fotos: Tripolt, UN/much

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Lavanttal. Es ist ein kleiner Lichtblick: Personen, die einen negativen Corona-Test besitzen – ein Selbsttest zählt nicht – dürfen unter Umständen ab 27. März wieder ins Wirtshaus. Oder besser gesagt vor das Wirtshaus. Denn dann sollen die Gastgärten wieder öffnen – vielleicht. Die Räume in den Lokalen bleiben auf jeden Fall geschlossen. Die Freude über die angekündigte Lockerung, die freilich noch keineswegs fix ist, hält sich aber in Grenzen. Denn über dem Besuch beim Wirt des Vertrauens kreisen noch viele Fragezeichen.  

»Das ist keine Lösung, das ist ein Humbug, damit sich die Regierung aus der Misere retten kann«
Sibylle Taumberger, Gasthof Torwirt, Lavamünd

Noch nicht beantwortet wurden die Fragen, wie es bei Lokalen in der Wolfsberger Innenstadt mit der für Fußgänger übrig bleibenden Gehsteigbreite aussehe und ob die Zwei-Meter-Abstandsregel dadurch überhaupt eingehalten werden könnte. Ebenfalls unklar ist, ob die Toiletten in den Lokalen genutzt werden dürften und was geschähe, wenn plötzlich Regen einsetzt. Ein großes Fragezeichen ist für viele Gastwirte auch, ob ein Gastgarten alleine ausreicht, um ein Lokal wirtschaftlich betreiben zu können. Und was macht man mit Lokalen, die über keinen Gastgarten verfügen? 

Die Unterkärntner Nachrichten haben sich im Lavanttal umgehört, wie die Gastronomen zu der geplanten Teilöffnung stehen.

»Öffnung kommt zu früh«

Für Manuel Wutscher vom Embassy kommt die Öffnung zu früh und ist nicht gut durchdacht: »Die Infektionszahlen gehen in die Höhe. Ich denke, wir sollten noch ein wenig warten und bei niedrigeren Infektionszahlen nach Ostern starten. Außerdem sind die Regeln für die Öffnung schlecht durchdacht. Warum darf ich indoor ohne Test einkaufen, aber outdoor in der Gastro benötige ich einen Test? Man darf auch nicht vergessen, wenn wir jetzt öffnen und die Zahlen gehen in die Höhe, dann bekommt wieder die Gastronomie den schwarzen Peter. Wirtschaftlich würde sich eine bloße Öffnung der Gastgärten für mich nicht rechnen. Ich verstehe, dass die Menschen wieder fortgehen möchten, aber ich sage: Halten wir noch zwei, drei Wochen durch. Sollte aber am 27. März geöffnet werden, werde ich das Embassy natürlich aufsperren, dass bin ich unseren Stammgästen schuldig.«

»Es wäre nicht wirtschaftlich«

Josef Kraschowitz und Sonja Kraschowitz-Zechner vom Brauhof Franz Josef in Wolfsberg werden ihren kleinen Gastgarten in der Wolfsberger Herrengasse nicht öffnen. Sonja Kraschowitz-Zechner sagt: »Es wäre unwirtschaftlich, wenn wir unseren Gastgarten mit drei Tischen betreiben würden.  Für drei Tische stelle ich nicht fünf Mitarbeiter ab. Es ist unverständlich, dass Gastlokale nicht öffnen dürfen. Wir haben 350 Sitzplätze, da können wir die Tische weit genug auseinander stellen. Außerdem ist noch völlig unklar, wie die Regierung das Problem lösen möchte, dass ab heute (Anm. Montag, 8. März) vier Personen als Veranstaltung gelten. Muss ich dann für jeden Tisch eine Veranstaltung anmelden? Das ist einfach alles unverständlich.«

Eine Möglichkeit gäbe es für das Wirtepaar doch noch, outdoor zu öffnen. Josef Kraschowitz: »Wir haben eine große Dachterrasse, die wir wirtschaftlich betreiben könnten. Aber um sie zu öffnen, sind noch viele Fragen abzuklären. Denn um zur Terrasse zu gelangen, müssen die Gäste durch das Lokal gehen, und das ist nach den derzeitigen rechtlichen Vorgaben nicht gestattet.«

»Lösung ist Humbug«

Definitiv nicht öffnen wird Sibylle Taumberger vom Gasthof Torwirt in Lavamünd. Sie sagt: »Ich habe drei Tische im Freien vor dem Lokal, da ist ein Aufsperren unrentabel. Ich habe zwar einen größeren Gastgarten hinter dem Lokal, aber die Gäste dürfen ja nicht durch das Lokal gehen, also kann ich ihn nicht aufsperren. Außerdem ist der Gastgarten nicht überdacht. Was mache ich, wenn es regnet? Dann sperre ich einen Tag auf und am nächsten Tag ist wieder geschlossen. Damit vergraule ich die Gäste mehr, als wenn ich überhaupt geschlossen habe. Aber lassen wir uns einmal überraschen, es kommen ja jeden Tag neue Vorgaben. Der derzeitige Vorschlag ist aber keine Lösung, sondern nur Humbug, mit der sich die Verantwortlichen aus der Misere retten wollen. Die Entscheidungsträger schauen sich eine Stadt wie Wien an und entscheiden dann, nehmen aber keine Rücksicht auf den ländlichen Bereich.«

»Hoffen, dass wir starten«

Völlig neu gestaltet ist der Sitzgarten der Café-Konditorei Prisse in Bad St. Leonhard. Doris Morolz-Prisse und Gottfried Morolz haben ihren Sitzgarten bereits im Herbst adaptiert: »Wir haben im Oktober ein Zelt aufgestellt, weil wir unseren Gästen ein nettes Ambiente in der kalten Jahreszeit bieten wollten. Wegen des Lockdowns ab Anfang November haben wir dann durch die Finger geschaut«, so die beiden. Rund 25 Sitzplätze bietet der überdachte Gastgarten. Das Zelt wird bei Betrieb zur Gebäudefront und auf den Seiten geöffnet und soll, je nach Wetter, ungefähr bis Mai stehenbleiben. »Wir hoffen, dass wir am 27. März wieder starten können. Allerdings gibt es bis heute noch keine genaue Regelung der Regierung, wie der laufende Betrieb aussehen soll«, sagt Doris Morolz-Prisse. 

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