»Die Kunst hat auch in der jetzigen Krise einen sehr hohen Stellenwert« Ausgabe 14 | Mittwoch, 1. April 2020

Iva Schell und Heimo »Der Mönch« Luxbacher sprechen als freischaffende Künstler über ihren Umgang mit der Coronakrise, den Stillstand im Kulturbereich und ihre Hoffnungen für die neue Zeit danach.

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Preitenegg, Pack. Sie leben beide abgeschieden auf ihren Almen  in Preitenegg und auf der Pack – Isolation sind sie also eigentlich gewohnt. Doch die Coronakrise hat Opern- und Musicalsängerin Iva Schell und den bildenden Künstler Heimo Luxbacher auch beruflich zu einer Pause gezwungen. Die Maßnahmen treffen den Kulturbereich besonders hart. 

»Es wird noch lange dauern«

»Gerade uns freischaffende Künstler trifft es hart und ich denke, dass es lange dauern wird, bis wir wieder auftreten dürfen. Wir waren die ersten die gestoppt wurden und werden auch die Letzten sein, die wieder Konzerte geben oder auf der Bühne stehen dürfen, da wir ja Publikum brauchen«, erklärt Schell. Sie hat es sich mit ihrer Tochter auf ihrer Alm in Preitenegg gemütlich gemacht: »Einsamkeit sind wir gewöhnt, da ich mich bereits vergangenen Herbst bewusst dazu entschlossen habe mein Leben zu entschleunigen und komplett auf die Alm zu ziehen. Trotzdem ist es natürlich jetzt ein komplett anderes Grundgefühl als bisher.«  Ähnlich ist es auch bei Luxbacher: »Mir persönlich geht es gut. Ich gehe auch sonst nicht öfter als einmal in der Woche einkaufen. Ich nutze die Zeit jetzt intensiver zum arbeiten in meinem Atelier und mache Spaziergänge mit meiner Hündin Sky. Die Situation an sich ist aber natürlich beängstigend.«

»Ich habe in den nächsten Monaten keinerlei Einkommen aus meinem erlernten Beruf«
Iva Schell
Opern- und Musicalsängerin

Beruflich hätte das heurige Jahr für Schell »ein sehr schönes« werden können. Geplant waren Konzerte und Musicalauftritte sowie Auftritte im Rahmen der im Dezember 2019 veröffentlichten CD »La-La-Liederland«. »Alles ist jetzt abgesagt worden und ich habe in den nächsten Monaten keinerlei Einkommen aus meinem erlernten Beruf«, so die Sängerin.

Luxbacher hätte im Mai eine Jahresausstellung im Turmmuseum in Friesach eröffnet, die den Corona-Maßnahmen zum Opfer fiel. Auch seine Schulprojekte zum Thema »Lebenskunst Altern« wurden auf Eis gelegt: »Man braucht einen finanziellen Polster für etwa ein Jahr, um solche Krisen zu überstehen. Doch viele freischaffende Künstler können sich gerade in den Anfängen keinen anlegen. Das war bei mir früher auch so. Notpakete alleine, werden zu wenig Hilfe sein.«

»Kunst hat hohen Stellenwert«

Schell und Luxbacher sind sich einig, dass Kunst und Kultur auch und gerade in der Krise einen hohen Stellenwert haben. »Auch jetzt helfen Musik, Filme, Poesie, Literatur und Malerei vielen Menschen in der Isolation sich abzulenken und neue Kraft zu finden. Ich hoffe, dass Publikum und Künstler bald wieder zusammenkommen können. Derzeit wird viel über das Internet kompensiert, aber das Live-Erlebnis, in dem wir uns wirklich persönlich im realen Moment erreichen, fehlt«, sagt Schell.

Nichts wird sein, wie vorher

Was wird die Kulturszene nach der Corona-Krise brauchen, um wieder in Schwung zu kommen? »Das hängt davon ab, wie lange die jetzige Situation noch andauern wird«, meint Luxbacher, »Ich denke, es wir nie mehr so laufen wie vorher und es wird sich in jeder Sparte viel ändern, aber die Kunst wird verstärkt wiederkommen und mehr in die Tiefe gehen.«

»Es wird sich in jeder Sparte viel ändern, aber die Kunst wird verstärkt wiederkommen«
Heimo Luxbacher
bildender Künstler

Für Schell ist es besonders wichtig, dass die Menschen wieder Vertrauen fassen, in größeren Gruppen Konzerte, Theatervorstellungen oder Museen zu besuchen: »Es wird sicher noch lange dauern bis Großveranstaltungen wieder stattfinden werden, aber ich hoffe, dass wir auch in der Kleinkunstszene und im Konzertbereich bald wieder die Chance und die volle Unterstützung des Landes haben werden, um auch vor wenigen Zuschauern langsam wieder anfangen können aufzutreten.«

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