Ein Stück Unterkärntner Verkehrsgeschichte: Vor 140 Jahren wurde die Lavanttalbahn eröffnetAusgabe 37 | Mittwoch, 11. September 2019

Am 4. Oktober 1879 befuhr erstmals ein Zug die 38 Kilometer lange und neu erbaute Bahnstrecke von Unterdrauburg (Dravograd) nach Wolfsberg. Es folgte eine wechselvolle Geschichte, die von den beiden Weltkriegen mitgeprägt wurde. Das Ende kam in Raten.

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Unterkärntner Nachrichten Redaktion Von Unterkärntner Nachrichten Redaktion officeno@spamunterkaerntner.at
Ein dampfbetriebener Zug im Bahnhof Dravograd (Unterdrauburg): Diese Aufnahme aus dem Jahr 1971 gibt einen Eindruck davon, wie der Verkehr auf dieser Strecke im 19. Jahrhundert ausgesehen hat. Foto: Peter Haslebner

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Lavanttal. Ein Kapitel Unterkärntner Eisenbahngeschichte jährt sich am 4. Oktober zum 140. Mal: Die feierliche Eröffnung der Lavanttalbahn von Dravograd (Unterdrauburg) nach Wolfsberg, die 1879 stattfand.

Bereits am 1. Juni 1863 wurde auf der Südbahnnebenstrecke der Eisenbahnverkehr von Maribor (Marburg) über Dravograd nach Klagenfurt der Betrieb aufgenommen. Die Landesregierung des Herzogtums Kärnten bemühte sich aber, auch eine Bahnverbindung von Unterdrauburg nach Wolfsberg herzustellen. Nach dem ersten Gesetzesentwurf hätte es nur eine schmalspurige Lokalbahn werden sollen. Am 12. März 1876 wurde aber beschlossen, die Bahn in Normalspur auszuführen. Der Bau der 38 Kilometer langen Bahnstrecke wurde am 1. Juli 1878 begonnen, am 4. Oktober 1879 wurde sie eröffnet.

Mit der Südbahngesellschaft wurde ein Vertrag abgeschlossen, der die gemeinsame Nutzung des Bahnhofs Unterdrauburg regelte.

Gravierende Veränderungen
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kam es zu einer gravierenden Veränderung. Mit der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Saint Germain bei Paris am 10. September 1919 erfolgte die Abtrennung von Teilen der Steiermark und Kärntens. Der Bahnhof von Unterdrauburg lag in der Untersteiermark, der Zielpunkt in Kärnten. Das Gebiet um Unterdrauburg fiel aber an den neugegründeten SHS-Staat, das spätere Jugoslawien. Der Eisenbahnknotenpunkt Unterdrauburg, der schienenmäßig Graz über Marburg mit Klagenfurt verband, und die Lavanttalbahn nach Wolfsberg gingen verloren. Österreich wurde aber vertraglich ein Korridorverkehr auf der Strecke Lavamünd-Unterdrauburg-Bleiburg ohne Grenzformalitäten gestattet.

Im April 1941, im Zuge des Zweiten Weltkriegs, wurde das Königreich Jugoslawien von NS-Deutschland und dem Königreich Italien besetzt und aufgelöst, Slowenien war fortan zwischen Deutschland, Italien und dem Königreich Ungarn geteilt, die Untersteiermark wurde Teil des Deutschen Reichs. In der Folge wurde wieder eine direkt Zugverbindung  von Zeltweg nach Unterdrauburg und Celje (Cilli) eingeführt, auf der auch der militärische Güterverkehr rollte.

Neustart 1952
Mit dem Ende des Kriegs 1945 wurden die alten Grenzen wiederhergestellt. Doch es dauerte bis 1952, bis der Korridorverkehr Wolfsberg-Unterdrauburg-Klagenfurt wieder aufgenommen wurde. Es gab ihn aber nicht lange, denn im Oktober 1964 wurde die 19 Kilometer lange Jauntalbahn zwischen St. Paul und Bleiburg eröffnet. Die Strecke Lavamünd-Unterdrauburg wurde dadurch bedeutungslos und der Zugsverkehr am 29. Mai 1965 eingestellt. Die Strecke wurde zuerst auf jugoslawischer und dann auch auf österreichischer Seite abgetragen, Lavamünd-St. Paul wurde eine Rumpfbahn. Im Jahr 1996 verkehrten zwischen St. Paul und Lavamünd noch fünf Personenzüge täglich, ebenso in der Gegenrichtung. Im Mai 1997 stellten die Österreichischen Bundesbahnen den Personenverkehr ein.

Ab 2004 führte die private Lavamünderbahn (LBB) einen bescheidenen Güterverkehr und einen Nostalgieverkehr durch, der mit Sommer 2007 endete. Die Abtragung des Schienenstrangs zwischen St. Paul und Lavamünd führte 2016 ein deutsches Abbruchunternehmen durch. Damit endete dieser Abschnitt Lavanttaler Verkehrsgeschichte. Von der einstigen Strecke ist heute nur St. Paul-Wolfsberg geblieben.
Peter Haslebner

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