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Seit 60 Jahren werden die St. Andräer Faschingssitzungen durchgeführt. Wie sieht die Entstehungsgeschichte aus?
Die Kulturinitiative St. Andrä, kurz KiSt.A, gibt es seit 2012, den St. Andräer Fasching als solchen seit 1966. Initiiert von einer Schar motivierter Narren, wurde 1966 erstmalig im Festsaal des Gasthofs Deutscher der Familie Wasserbacher eine Sitzung abgehalten. Man hat aber schnell gemerkt, dass der Platz im Festsaal nicht ausreicht und ist in den nahe gelegenen »Kinosaal« ausgewichen, der bis 2014 die Spielstätte des St. Andräer Faschings blieb. Dann wurde das Gebäude abgerissen und am selben Fleck das jetzige Rathaus St. Andrä mit unserer heutigen Spielstätte, dem Rathaussaal, gebaut. Im »Zwischenjahr« 2015 spielten wir in unserem »Ausweichquartier«, dem Turnsaal der Mittelschule St. Andrä. Dort wurde in mühevoller Arbeit ein Provisorium errichtet, über 500 Paletten wurden als Bühne verbaut, Container als Umkleiden aufgestellt und ein Barbereich installiert. Seit 2016, also mittlerweile auch schon seit zehn Jahren, dürfen wir in den Räumen des »Stauber Towers« aka Rathaus unsere Sitzungen abhalten.
Was war 2012 der Anlass der Gründung der KiSt.A?
Die KiSt.A entstand, nachdem der damalige Vorstand die Agenden abgegeben hatte und wir mit einer kleinen Zahl an Mitgliedern – unter 20 – die Tradition weiterführen wollten. Da es zum damaligen Zeitpunkt seit 2006 kein Prinzenpaar mehr gegeben hatte und auch die gildeneigene Garde nicht mehr existierte, war es unser primäres Ziel, diese Traditionen wieder aufleben zu lassen. So wurde in der Spielsaison 2012/2013 das erste Prinzenpaar seit 2006 ernannt, zwei Jahre danach brachte wieder eine Garde unter der Leitung meiner Stellvertreterin Kirstin Wiedl die Bühne zum Beben. Unser Fokus lag damals wie heute auf dem Erhalt und der Weiterführung der Faschingstradition mit allen Facetten, aber angepasst an die heutige Zeit.
Wie hat sich die KiSt.A im Lauf der Jahrzehnte verändert? Gibt es neue Veranstaltungen?
Der St. Andräer Fasching hat einige Wandlungen hinter sich. Vom ursprünglich ländlichen Fasching als Volksschauspiel, kam es über die Gründung eines Elferrats bis 2012 zu einem Wandel in Richtung Comedy und Kabarett. In diesem Jahr sind wir zurückgekehrt zu den Wurzeln und haben als Kulturinitiative 2025 den St. Andräer Narrenball unter einem neuen Titel – dem »St. Andräer Prinz-essinnen-Ball« wiedereingeführt, der bereits früher zahlreiche Närrinnen und Narren in die Räume des Gasthofs Deutscher gelockt hatte. Wir möchten diese Tradition weiterführen und diesen Ball alle zwei Jahre abhalten. Zu unserem Jahreskreis gehört aber auch der Kindermaskenball, das traditionelle Narrenwecken am 11. 11. um 11.11 Uhr sowie der Faschingsumzug in St. Andrä.
Was sind die Höhepunkte der heurigen neun Faschingssitzung?
Zu viel darf nicht verraten werden, aber es wird zahlreiche Highlights geben, die sich in den vergangenen Jahren entwickelt haben. Unsere Solokünstler haben sich dahingehend wieder richtig ins Zeug gelegt, und auch neue motivierte Akteure werden auf der Bühne stehen. Außerdem dürfen wir einen Überraschungsgast begrüßen – mehr kann ich aus Geheimhaltungsgründen noch nicht verraten. Ich kann aber versprechen, dass es ein bunter Mix und für jeden Besucher etwas dabei sein wird.
Wie viele Mitglieder hat die KiSt.A, wie viele stehen davon auf der Bühne oder arbeiten im Hintergrund?
Die KiSt.A hat als Verein 50 Mitglieder, aufgeteilt in Akteure, Garde, Technik, Maske und Wirtschaft. Davon stehen 21 Mitglieder als Akteure bzw. in der Garde oder beidem auf der Bühne.
Gibt es Veränderung bei den Bühnenakteuren?
Ja, ein Mitglied hat von der Wirtschaft auf die Bühne gewechselt, ein anderes Mitglied von der Bühne in die Wirtschaft. Hier geht es darum, dass jeder in dem Bereich, den er neben der beruflichen oder schulischen Tätigkeit ausüben kann, eingesetzt wird.
Wie werden die Texte erarbeitet? Gemeinsam oder von einzelnen?
Wir treffen uns meistens nach der Sommerpause zu einem Brainstorming, um die Themen zu erarbeiten und einen Fahrplan zu erstellen. Dann trennen sich die Wege und die einzelnen kreativen Köpfe werkeln in den geheimen Schreibstuben an ihren Nummern. Wenn das Grobkonzept steht, treffen wir uns wieder zum Gedankenaustausch und feilen an den letzten Feinheiten gemeinsam oder in kleinen Teams, um die Nummer fertig zu erarbeiten. Grundsätzlich bin ich aber ein Befürworter des Selbstgeschriebenen, da nur dann der individuelle Charakter und die persönliche Note zum Vorschein kommen. Ich vergleiche das immer mit Rollenspiel – wenn man die Rolle eines Clowns vorgeschrieben bekommt, aber keine Clowns mag, wird man ihn auch nicht gut verkörpern können. So erhält jede Nummer ihren individuellen Charakter.
Was darf man heute auf der Bühne noch sagen und machen – im Hinblick auf »Me Too« und Political Correctness?
Ich bin der Meinung, im Fasching ist alles erlaubt, was nicht weh tut und persönlich angreift. Der Fasching hat seinen Ursprung in der Narretei, und so war es dem Hofnarren als einzigem erlaubt, die ungeschönte Wahrheit zu sagen, ohne dass es für ihn ernsthafte Konsequenzen gegeben hätte: Er durfte mit Geschick und Witz auch unschöne Dinge erzählen. So ist es bis heute. Es ist Tradition, auch politische Aspekte mit viel Witz in eine Nummer zu verpacken. Das geht so weit, dass Lokalpolitiker fast »eingeschnappt« sind, wenn sie in der Faschingssitzung nicht erwähnt werden.
Manche Volksvertreter sind recht empfindlich – wie halten es die Akteure mit Kritik an der Politik?
Es darf gesagt werden, was gesagt werden muss. Es darf nicht beleidigend, schädigend oder gar abwertend sein, dann ist das schon in Ordnung.
Gibt es manchmal innerhalb der Truppe unterschiedliche Meinungen zu einzelnen Nummern? Und wenn ja, wie geht man damit um?
Natürlich gibt es das – und das ist gut so. Oft schreibt man eine Nummer oder einen Text und merkt selbst nicht, dass man in eine gewisse Richtung abdriftet. Da tut es dann gut, sich eine außenstehende Meinung einzuholen und sie anzuwenden. Das ist dann das oft angepriesene »Tüpfelchen auf dem i«.
Wie ist das Interesse der Bevölkerung an den Sitzungen? Steigend oder nachlassend?
Tendenziell gleichbleibend gut. Die Sitzungen und unsere Arbeit werden wertschätzend und gut angenommen, und wir merken an der Resonanz, dass die Bevölkerung froh ist, dass wir uns jedes Jahr ins Zeug legen.
Wie rasch sind die Karten alljährlich ausverkauft?
Steigend. Um die Sitzungskarten ist alle Jahre ein »festes Griss«. Generell haben wir zur Premiere nur mehr wenige Restkarten.
Gab es auch heuer einen Ansturm auf die Karten der Sitzungen?
Ja, was vermutlich auch dem kurzen Fasching geschuldet ist. Am 11. November startete der Kartenverkauf, eine Woche später war schon mehr als die Hälfte weg.
Seit wann sind Sie Obmann der KiSt.A?
Ich bin seit sechs Jahren Obmann, davor war ich Stellvertreter.
Was hat Sie bewogen, diese Aufgabe anzugehen?
Ich liebe es zu organisieren, etwas zu bewegen, die Vereinsarbeit. Mir ist es wichtig, die Tradition weiterzuführen. Für mich stand außer Frage, diese Aufgabe anzugehen, sofern der ganze Verein hinter mir steht – was er dankenswerterweise mit aller Energie und dem nötigen Zuspruch tut.
Wie viel Arbeit steckt hinter der Obmannschaft?
Als Obmann ist man ganzjährig mit Tätigkeiten in der Organisation beschäftigt. Sei es mit Beitritten oder Arbeiten in Dachverbänden – seit heuer sind wir Mitglied des Kärntner Bildungswerks und seit Anbeginn Mitglied des Bunds der Österreichischen Faschingsgilden (BÖF), in dem ich dem Landesverband als stellvertretender Präsident vorstehen darf. Aber auch in der Gesamtorganisation gibt es immer was zu tun: Themen, Motto, Bühnenbild, technische Neuerungen, Ablauforganisation, Sponsorensuche, die Organisation unseres jährlichen Vereinsausflugs und vieles mehr – es wird nicht langweilig.
Sie stehen jedes Jahr auch auf der Bühne? Seit wann?
Auf der Bühne stehe ich seit 2012, heuer bin ich in vier Nummern vertreten.
In welchen Rollen werden Sie die Zuschauer heuer sehen?
Ich darf in drei Musiknummern auf der Bühne stehen. Da Musik meine Leidenschaft ist, bin ich sehr froh darüber. Auch eine Sprechnummer darf ich wieder verkörpern – mit meinem kongenialen Partner Alexander »Xandi« Schwab im »Sogschortn Duo 2.0«, wo wir als geschickte Handwerker schon seit vielen Jahren allerlei Blödsinn und Witzelei auf die Bühne bringen.

Von Horst Kakl
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