Holzpreis hoch – doch Bäume können nicht gefällt werden: Ein Forstwirt schildert seine ProblemeAusgabe 41 | Mittwoch, 13. Oktober 2021

Statt 80 gab es zuletzt fast 120 Euro für den Festmeter. Aber kleine Betriebe hatten keine Chance, eine Erntemaschine zu bekommen. Lavanttaler sieht »Große« bevorzugt. Geschäftsführer der WWG weist das zurück und sagt: »Wer zuerst anruft, kommt zuerst dran.«

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Lavanttal. Stark gestiegene Holzpreise, von denen aber nicht alle profitieren konnten. Ein Lavanttaler Holzproduzent, der mit einer Fläche von 17 Hektar Wald zu den Kleinen der Branche zählt, zeigt jetzt die eigenen Sorgen und die seiner Kollegen auf. 

Zuletzt sind Bäume aufgrund der Holzknappheit stark im Wert gestiegen. Kostete im September des Vorjahrs der Festmeter Fichte (Blochholz AB) zwischen 70,40 und 79,60 Euro, waren es heuer im gleichen Monat 110,20 bis 118,40 Euro. Natürlich wollten darauf viele Produzenten ihr Holz auf den Markt bringen. Doch es gab Probleme.

»Es waren keine Harvester zu bekommen, die waren bei den industriellen Forstbetrieben im Einsatz«
Ein Holzproduzent der 17 Hektar Wald besitzt

»Fakt ist, dass es in den vergangenen Monaten Probleme für die kleinen bäuerlichen Forstbetriebe gab, einen Harvester (Anm.: eine spezielle Holz-Erntemaschine) zu bekommen, denn die waren bei den industriellen Forstbetrieben rund um die Uhr im Einsatz«, so der Forstwirt. Dazu habe es Engpässe bei der Holzabholung gegeben, Großlieferanten seien bevorzugt behandelt worden.  Der Lavanttaler: »Geplante Schlägerungen der bäuerlichen Forstwirte mussten zurückgestellt werden, da es weder eine Abnahme- noch Preisgarantie gibt.« Seine Befürchtung: Im Oktober werde der Preis um etwa 15 Euro zurückgehen – und er vom kurzzeitigen Höhenflug nicht profitieren können.

WWG – »Diener zweier Herren«

Unzufrieden ist der Mann auch mit der Waldwirtschaftsgemeinschaften Kärnten GmbH (WWG), eine Vereinigung der Forstbauern, die Abtransport und Vermarktung übernimmt. Laut ihm werde bei der preislichen Bewertung nicht berücksichtigt, ob beispielsweise eine Fichte in 500 Metern Seehöhe gewachsen ist und dadurch breite Jahresringe und mehr Wasser aufweist, oder ob sie auf 1.000 Metern stand und aufgrund engerer Jahresringe und geringerem Wassergehalt eine höhere Holzqualität besitze. 

Der Forstwirt: »Die WWG ist ein Diener zweier Herren. Einerseits den bäuerlichen Holzlieferanten verpflichtet, aber auch den Abnehmern, der holzverarbeitenden Industrie. Sie macht Lieferverträge mit der Industrie, der Bauer kommt an zweiter Stelle.«

Karl Kurath, Geschäftsführer der WWG, die in Brückl ihren Sitz hat, weist die Vorwürfe zurück. Besonders am Ausspruch »Diener zweier Herren« stößt er sich. »Was viele vergessen, ist, dass Forstwirte Lieferanten sind. Sie müssen liefern, was die Industrie braucht. Die Kunden rutschen vor ihnen nicht auf den Knien.« Die WWG befinde sich im Eigentum von Waldbesitzern, habe in Kärnten 4.500 Mitglieder und sei nicht gewinnorientiert. Man wolle die Holzmengen bündeln und damit zu einem besseren Preis auf den Markt bringen. »Wir haben eine andere Position als der einzelne Waldbesitzer, daher profitieren unsere Mitglieder«, so Kurath. 

Mehr Bauern wollen schlägern

Das derzeitige Problem sei, dass aufgrund der höheren Preise mehr Waldbesitzer Bäume schlägern wollen – aber keine Dienstleister zu bekommen seien, die die Ernte durchführen. Außerdem werde für den Einsatz eines Harvesters eine Menge von 500 Festmetern Holz benötigt, »sonst zahlt sich die Überstellung nicht aus«, sagt Kurath: »Diese Dienstleister fahren für uns – aber sie wollen teils keine separaten Arbeiten erledigen. Außerdem haben wir die Maschinen bis Jänner nächsten Jahres eingetaktet.«

Wenn sich jemand melde und Bäume ernten wolle, werde ihm ein Termin angeboten. Man habe die Harvester aber nicht im Hof stehen. Kurath: »Wir können nicht mehr schlägern, als wir transportieren können – und das Holz muss auch verkauft werden. Jetzt rufen Leute an, die normal 100 Festmeter schlägern lassen – jetzt wollen sie 1.000 Festmeter. Wir müssen vielen Mitgliedern sagen, dass sie warten müssen. Außerdem können wir die Vermarktung nicht bedienen.«

Werden die Großen den Kleinen vorgezogen? Der WWG-Geschäftsführer: »Wir sind 4.500 Kleine, für sie organisieren wir alles. Das hat mit groß oder klein nichts zu tun. Wenn sich jemand meldet, fährt ein Förster hin und sagt, welches Holz verkäuflich ist.« 

Grundsätzlich gelte: Wer zuerst anruft, kommt zuerst dran. In einigen Wochen werde man wieder freie Kapazitäten haben, »aber dann wird das Holz nicht mehr zu verkaufen sein, es gibt jetzt schon wieder zu viel auf dem Markt. Die Sägewerke sind voll, die Preise gehen wieder zurück.«

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