Attacken auf Bürgermeister Schlagholz und die Stadt: Wer verbirgt sich hinter »Wolfsberger Mitzi«?Ausgabe 4 | Mittwoch, 22. Januar 2020

Seit Juli des Vorjahrs wird auf einer Facebook-Site gegen den Wolfsberger Stadtchef, die Finanzgebarung und vieles mehr geschrieben. Die Kommentare werden immer bekannter, eifrig wird über die Identität des Autors spekuliert. Schlagholz lädt »Mitzi« zum Gespräch ein.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Kakl Von Horst Kakl kaklno@spamunterkaerntner.at
Mit Kommentaren auf Facebook ärgert die »Wolfsberger Mitzi« die Stadtpolitik. Jetzt wird sie zu einem Gespräch eingeladen. Foto: UN/Montage

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Wolfsberg. Seit Juli des Vorjahrs erscheinen auf der Facebook-Site »Wolfsberger Mitzi« regelmäßige Kommentare, die sich wachsender Bekanntheit erfreuen. Darin werden oft Bürgermeister Hans-Peter Schlagholz (SPÖ) oder die Stadtwerke »betoniert«, gerne wird auch Kritik an den Finanzgebarungen der Stadt geübt – zum Gaudium des Publikums.

Bleibt die Frage: Wer verbirgt sich hinter »Mitzi«? Im Verdacht steht der FPÖ-Landtagsabgeordnete Harald Trettenbrein, der abwinkt und sagt: »Ich bin es nicht.« Gemutmaßt wird auch, die Schreiberin bzw. der Schreiber stehe in einem Naheverhältnis zu einem jener Mitarbeiter, die im Juli 2019 von den Stadtwerken entlassen wurden. Beweise fehlen.

Auch Bürgermeister Schlagholz kennt »Mitzis« Identität nicht. Die Kommentare freuen ihn nicht, trotzdem lädt er den Verfasser zu einem Gespräch ein, »gerne auch unter vier Augen«.

Das verwendete Titelbild ist Programm. Es zeigt einen Blick ins Lavanttal, über dem eine dicke, dunkle Wolke hockt. Exakt so sieht »Mitzi« auch den Zustand der Bezirkshauptstadt: besorgniserregend. 

Seit Juli des Vorjahrs erscheinen auf der Facebook-Site »Wolfsberger Mitzi« regelmäßig Kommentare, die sich mittlerweile wachsender Bekanntheit erfreuen. Thematisiert (und kritisiert) werden darin meist die Finanzsituation der Bezirkshauptstadt und deren Bürgermeister Hans-Peter Schlagholz (SPÖ). Auch die Affäre rund um die Wolfsberger Stadtwerke und deren früherem Geschäftsführer Dieter Rabensteiner werden gerne aufgegriffen. Wer sich hinter dem »Mitzi«-Pseudonym verbirgt, ist nicht bekannt – auch wenn es Vermutungen gibt.

Der jüngste Kommentar (Stand: 16. Jänner) erschien vor drei Tagen. Wieder wurde darin eine Breitseite auf Schlagholz gefeuert. So heißt es: »Einer der Wünsche für das Jahr 2020 für die Bürger und Bürgerinnen vom Herrn BGM Hans Peter Schlagholz war: Ich wünsche mir mehr Eigeninitiative und mehr Verantwortung bei den Entscheidungsträgern! Ganz verwundert über diesen Wunsch stellte sich nun die Frage: Ist nicht der BGM der Entscheidungsträger? Also an wen würde der Wolfsberger BGM gerne die Entscheidungen abgeben?« 

Danach befasst sich »Mitzi« mit der im Dezember verdoppelten Parkgebühr, die Geld in die Stadtkasse bringen soll, und stellt der Erhöhung angebliche »Beraterkosten« – Zitat: »alleine in der Amtsleitung von weit über 100.000 Euro« – gegenüber. Dann heißt es: »Lustigerweise munkelt man, sind viele dieser kostspieligen Berater gute Bussifreunde der Führungsebene.« Eine Bestätigung dafür gibt es nicht.

Bleibt die Frage: Wer verbirgt sich hinter der »Wolfsberger Mitzi«? Im Verdacht steht der FPÖ-Landtagsabgeordnete Harald Trettenbrein, bekanntlich ein scharfer Kritiker der Stadtregierung. Als Mitglied des Stadtwerke-Beirats setzt er sich immer wieder öffentlich mit den Vorgängen im Unternehmen auseinander – was bereits zu Kontroversen geführt hat. Er würde also als »Mitzi« durchaus passen.

Allerdings: »Ich bin es nicht«, sagt Trettenbrein zu den Unterkärntner Nachrichten. Auf die Frage, ob er die Identität der »Mitzi« kenne, meint er: »Woher soll ich das wissen?« Sein Nachsatz: »Ich unterstütze den Großteil der Aussagen, die auf dieser Seite gemacht werden, einiges aber nicht. Denn manches ist untergriffig, wovon ich nichts halte. Aber in der Sache selbst hat die Person oft recht.«

Naheverhältnis?

Weiters wird gemutmaßt, »Mitzi« stehe in einem Naheverhältnis zu einem der beiden Mitarbeiter, die am 3. Juli 2019 von den Stadtwerken nach Untreue-Vorwürfen entlassen wurden (es gilt die Unschuldsvermutung). Der Zeitpunkt der Erstellung der Seite (4. Juli), die Themenwahl und die Tendenz mancher Texte lässt darauf schließen – Belege gibt es nicht.

»Ich bin es nicht, ich unterstütze aber den Großteil der Aussagen, die gemacht werden«
Harald Trettenbrein, Nicht die »Wolfsberger Mitzi«

Bürgermeister Schlagholz sagt: »Ich weiß nicht, wer das schreibt.« Zu den Kommentaren: »Sie sind anonym, was soll man dagegen machen? Heutzutage versteckt man sich hinter falschen Namen und schreibt drauflos.« Was Schlagholz nicht versteht: »Warum man mich als Zielscheibe ausgesucht hat, ist mir ein Rätsel. Ich habe mit den Dingen, die da behandelt werden, oft nichts zu tun. Da stehen haarsträubende Sachen, Unterstellungen drin.«

Auch wenn der Bürgermeister von den Kommentaren wenig angetan ist, macht er der »Wolfsberger Mitzi« ein Angebot: »Ich lade sie oder ihn zu einem Gespräch ein, gerne auch unter vier Augen. Derjenige soll mir sagen, was nicht passt.«

Wie den Kommentaren zu entnehmen ist, liest »Mitzi« die Unterkärntner Nachrichten. Man darf gespannt sein, ob der Vorschlag angenommen wird ...

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