Das sagen die Lavanttaler Bürgermeister zur Situation ihrer Gemeinden in der Corona-KriseAusgabe 13 | Mittwoch, 25. März 2020

Die Rathäuser sind geschlossen, die Arbeit geht weiter. So heißt es aus den Gemeindestuben des Tals. Etliche Bürgermeister arbeiten von zu Hause aus, sie haben die Lage im Griff. Einige der geführten Interviews können Sie sich am Ende dieses Artikels anhören.

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Hans-Peter-Schlagholz, Wolfsberg
Keine Symptome einer Corona-Erkrankung spürt der Wolfsberger Bürgermeister Hans-Peter Schlagholz (SPÖ). Auf die Frage, wie die Situation in seiner Gemeinde sei, sagt er: »Es ist natürlich ruhig wie überall.« Die Abteilungen der Gemeinde sind besetzt, alle Akten und Anfragen werden bearbeitet. »Wir sind derzeit bemüht, unsere Serviceleistungen nachzujustieren, etwa die Aktion ›Wolfsberg hilft‹, bei der jene, die es benötigen, mit Lebensmitteln oder Medikamenten beliefert werden. Vormittags kann bestellt werden, nachmittags wird mit dem ISTMobil zugestellt, wobei die Fahrtkosten die Gemeinde trägt«, so der Bürgermeister. Laut ihm funktioniert die Bewältigung der Aufgaben trotz der Corona-Krise – wenn auch mit Einschränkungen: »Die Wohnungsvergabe ist derzeit schwierig, denn das Siedeln wäre ein Problem.«

Hilfe des Landes Kärnten benötigt die Gemeinde derzeit noch nicht, »das wird aber kommen«. So werde die Wirtschaft auf Hilfe angewiesen sein, die Gemeinde aufgrund ausgefallener Einnahmen ebenso. Und: »Bei der Kinderbetreuung hoffe ich auf eine Abgeltung der Elternbeiträge wie in der Steiermark.« Dazu wünscht sich Schlagholz konkretere Aussagen bezüglich der Bauernmärkte, die derzeit wie Supermärkte offen halten dürften – in Wolfsberg aber geschlossen sind. »Die Gesundheitsabteilung sagt, diese Märkte könnten ein Problem darstellen. Um eine Handhabe zu haben, brauche ich klare Positionen der Behörden.«
Der Bürgermeister verbringt derzeit vier bis fünf Stunden täglich in seinem Büro, »statt zehn Stunden wie sonst. Das ist aber notwendig, denn der Betrieb soll nicht aufgehalten werden, weil ich nicht da bin.«  Denn Wolfsbergern stellt er ein gutes Zeugnis aus: »95 Prozent halten sich an die verordneten Maßnahmen.«

Maria Knauder, St. Andrä
Die Vizebürgermeisterin (SPÖ) führt aufgrund einer Erkrankung von Bürgermeister Peter Stauber (SPÖ) derzeit die Geschäfte. Sie fühlt sich »voll fit«, stand zuletzt aber vor einer privaten Herausforderung: Es galt, Maria Knauders  Tochter, die als Au-pair in New York arbeitete, wieder in die Heimat zu bringen. In der Gemeinde wurde ein Krisenstab gebildet, der sich erst persönlich traf, mittlerweile aber auf Home Office umgestellt wurde. Mit Bürgern, die ein Anliegen haben, wird am Telefon oder via Computer kommuniziert. Knauder: »Ich danke dem Land und dem Bund für die Informationen, die wir bekommen, gute Kontakte gibt es auch zu Landesrat Daniel Fellner. Inwieweit wir nach der Krise wirtschaftliche Hilfe brauchen werden, muss danach abgeklärt werden.« Sie selbst wickelt die Gemeindeagenden in Home Office ab, bei ihrem Job im LKH Wolfsberg ist aber persönliche Anwesenheit unumgänglich.

Günther Vallant, Frantschach-St. Gertraud
»Es geht mir gut, ich muss aber erst lernen, mit der Situation und dem Home-Office-Betrieb umzugehen«, sagt Günther Vallant (SPÖ), Bürgermeister von Frantschach-St. Gertraud. Das Gemeindeamt und der Bauhof seiner Gemeinde sind geschlossen, aber per Mail und Telefon erreichbar. Die Versorgung gefährdeter Personen ist geregelt, ein Essenslieferservice eingerichtet. Aber: Neun Personen befinden sich in einer Gemeindeeinrichtung und brauchen 24-Stunden-Pflege. Da dafür nicht genügend Betreuer zur Verfügung stehen, sollen sie zu Hause gepflegt werden. Bei denen das nicht möglich ist, wird mit dem Land Kärnten nach geeigneten Plätze gesucht. Vallant: »Ein großes Dankeschön an die Bevölkerung, die sich an die geltenden Maßnahmen sehr gut hält.« Weniger positiv ist, dass es in der Gemeinde mehrere Corona-Verdachtsfälle gibt. »Ich hoffe aber, dass niemand erkrankt«, so der Bürgermeister.

Simon Maier, Bad St. Leonhard
Bad St. Leonhards Bürgermeister Simon Maier (SPÖ) befindet sich  (Stand: Dienstag, 24. März) noch in Heimquarantäne. »Ich war am 10. März bei einer Jahreshauptversammlung, von der einer der ersten Fälle in der Gemeinde ausgeht. Mir geht es gesundheitlich aber gut«, versichert Maier, der seiner Arbeit zu Hause nachgeht. In Bad St. Leonhard gibt es aktuell (Stand: Montag, 23. März, 15 Uhr) fünf bestätigte Corona-Infizierte. »Wir müssen jetzt zusammenstehen und zusammenhalten. Aber das können die Bad St. Leonharder, wie sie gerade wieder mit der Nachbarschaftshilfe unter Beweis stellen. Wer Hilfe benötigt, findet alle Informationen auf der Website der Gemeinde«, verweist Maier auf die Hilfsmaßnahmen der Stadt. So wurde beispielsweise von der Stadtgemeinde ein Bringdienst für Lebensmittel und Medikamente eingerichtet. »Die Zustellung erfolgt immer dienstags und freitags«, informiert Maier.

Karl Markut, St. Georgen
Dem St. Georgener Bürgermeister (TS) geht es soweit gut, meist werden nur die dringendsten Termine wahrgenommen, meist telefonisch. »Sorgen mache ich mir um die alleinstehenden älteren und Bürger.« Die Situation sei ruhig und unaufgeregt. Im Kindergarten ist derzeit nur ein Kind zu betreuen,  in der Volksschule kein einziges. »Ich habe bereits am 13. März einen Besorgungsdienst eingerichtet. Er funktioniert bestens und wird für Medikamente und Lebensmittel beansprucht.« Die Zusammenarbeit mit den Behörden, vor allem der Bezirkshauptmannschaft Wolfsberg, funktioniert laut Markut bestens. »Ich gehe jeden zweiten Tag für eine Stunde ins Gemeindeamt, ansonsten arbeite ich von zu Hause aus und bin jederzeit erreichbar«, so Markut. Ein Lob und Dank ergeht  an die Bevölkerung und all jene, die das System aufrechterhalten, wie dem Gemeindearzt, den Lebensmittelhändlern, Postpartnern, Eltern und Großeltern.

Hermann Primus, St. Paul
»Danke, mir geht es gut«, sagt der St. Pauler Bürgermeister Hermann Primus (SPÖ). Die Situation in der Gemeinde beschreibt er so: »Für jene Eltern, die in systemerhaltenden Berufen tätig sind, ist die Betreuung der Kinder im Kindergarten sowie in der Schule gewährleistet. In Kooperation mit dem Nahversorger Adeg, der Apotheke St. Paul und unseren Ärzten haben wir für die Risikogruppe einen Besorgungsdienst eingerichtet. Auch wenn der Parteienverkehr im Rathaus ausgesetzt ist, sind die Mitarbeiter weiter für die Bevölkerung da.« Im privaten Pflegebereich, insbesondere der 24-Stunden-Pflege, werde eine Zusammenarbeit mit dem Land nötig sein. Primus befindet sich nach einem Tirol-Aufenthalt in Heimquarantäne. »Da ich der Risikogruppe angehöre, werde ich auch im Anschluss meine Arbeiten nach Möglichkeit von zu Hause erledigen«, sagt er und dankt der Bevölkerung für ihre Disziplin und Hilfsbereitschaft.

Manfred Führer, Reichenfels
»Mir persönlich geht es gut, vor allem auch, weil wir in der Gemeinde bereits alle nötigen Maßnahmen und Vorbereitungen getroffen haben«, beginnt Manfred Führer (ÖVP). Die nördlichste Gemeinde des Bezirks hat bislang noch keinen Infektionsfall zu verzeichnen. Sicher ist sich Führer, dass man längere Zeit für die Aufarbeitung der Krise benötigen wird. »Wenn wieder alles läuft, werden wir Unterstützungen benötigen. Für die Gemeinde wird es einen großen Schaden geben. Kleineren Gewerbebetrieben steht mit Sicherheit eine schwere Zeit bevor«, so Führer, der aktuell noch rund 40 bis 50 Prozent seiner Arbeit im Büro verrichtet: »Den Rest kann ich von zu Hause aus erledigen.« Zufrieden zeigt sich der Reichenfelser Bürgermeister über seine Gemeindebürger: »Sie verhalten sich wirklich sehr diszipliniert und bleiben zu Hause. Auf den Straßen sieht man nur ganz vereinzelt Leute, die für Besorgungen unterwegs sind.«

Franz Kogler, Preitenegg
»Da ich in meinem Alter der Risikogruppe angehöre, halte ich mich strikt an die Vorgaben und bleibe zu Hause. Meine E-Mails kann ich von hier aus abrufen und Sitzungen und dergleichen gibt es aktuell ohnehin nicht. In der Gemeinde gibt es aber eine Notbesetzung«, klärt Preiteneggs Bürgermeister Franz Kogler (ÖVP) auf. In der höchstgelegenen Gemeinde des Bezirks gibt es bis dato keinen bestätigten Fall einer Viruserkrankung. »Für Gemeindebürger, die Hilfe benötigen, wie beispielsweise die Zustellung von Lebensmitteln, haben wir bereits Maßnahmen getroffen«, so Kogler, der sich für die Gemeinde lediglich Unterstützung beim Nahverkehr wünscht, denn »den Rest schaffen wir selber«. Über das Verhalten seiner Gemeindebürger sagt Kogler: »Ich versuche, mit gutem Beispiel voran zu gehen, und die Bürger verhalten sich wirklich sehr, sehr diszipliniert. Deshalb bin ich auch guter Dinge, dass wir die Situation gut über die Bühne bringen.«

Martin Laber, Amtsleiter Lavamünd
Die Situation in Lavamünd zeigt sich laut Amtsleiter Martin Laber (SPÖ-Bürgermeister Josef Ruthardt war nicht erreichbar) sehr geordnet. Die Gemeinde steht in ständigem Austausch mit den anderen Lavanttaler Gemeinden und der BH Wolfsberg. »Wir haben derzeit noch keine Corona-Fälle und hoffen, dass das auch so bleibt«, erklärt Laber. Die Bürger werden via Website und Facebook ständig auf dem Laufenden gehalten. Für Bürger ab 65 Jahren und für jene mit Vorerkrankungen hat die Gemeinde eine Versorgung mit lebensnotwendigen Dingen des täglichen Bedarfs eingerichtet. »Man kann Bestellungen telefonisch im Gemeindeamt bekanntgeben. Diese werden bei den örtlichen Betrieben geholt und von Go-Mobil-Fahrern zugestellt. Die Fahrtkosten übernimmt die Gemeinde«, führt Laber aus. Das Gemeindeamt ist ständig besetzt und die Mitarbeiter sind telefonisch erreichbar. »Die Lavamünder verhalten sich sehr diszipliniert«, lobt Laber.

Günther Vallant, Bürgermeister von Frantschach-St. Gertraud, über die aktuelle Corona-Situation in der Gemeinde.
St. Andräs Vizebürgermeisterin Maria Knauder im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten.
Hans-Peter Schlagholz, Bürgermeister von Wolfsberg, spricht über die aktuelle Corona-Situation in der Bezirkshauptstadt.

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