Stadt »verzichtete« bei neuem Platz auf Rampe für Behinderte: Wolfsberger Rollstuhlfahrer empörtAusgabe 43 | Mittwoch, 21. Oktober 2020

Im Bereich des neuen Kinos wurde die frühere Bushaltestelle umgebaut, um Platz für 37 Parkplätze zu schaffen. Jetzt fehlt am Ende der Stadionbadstraße eine behindertengerechte Abfahrt am Gehweg. Betroffener ist damit nicht einverstanden, Stadtrat antwortet.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Kakl Von Horst Kakl kaklno@spamunterkaerntner.at
Ewald Rass an jener Stelle, an der früher eine Rampe die Gehwegkante durchbrach und den barrierefreien Zugang zur St. Stefaner Straße für Rollstuhlfahrer und Benützern von Rollatoren ermöglichte. Jetzt befindet sich dort eine etwa zehn Zentimeter hohe Kante. Foto: Hok

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Wolfsberg. Die Umgestaltung ist wunderbar gelungen. Mit einem Kostenaufwand von rund 125.000 Euro hat die Stadt Wolfsberg an der Ecke Stadionbadstraße/St. Stefaner Straße 37 neue Parkplätze geschaffen. Dafür wurde die dortige Busbucht umgebaut. Das Ziel: Da dort das neue Kino entstanden ist, soll ein Parkplatz-Chaos beim Stadionbad an starken Badetagen im Sommer oder während Heimspielen des WAC in der Lavanttal-Arena vermieden werden. Das Ganze hat nur einen kleinen Schönheitsfehler: Wo die Stadionbadstraße in den neuen Platz einmündet, wurde auf eine Rampe »verzichtet«. 

»Von der öffentlichen Hand erwarte ich mir, dass sie barrierefrei baut«
Ewald Rass, Rollstuhlfahrer

Das heißt, Rollstuhlfahrer, Mütter mit Kinderwägen oder ältere Mitbürger, die auf Rollatoren angewiesen sind, haben jetzt ein Problem. Wenn sie zum neuen Platz gelangen, gelangen sie nicht barrierefrei in die St. Stefaner Straße, sondern müssen einen etwa zehn Zentimeter Randstein überwinden. Sind sie dazu nicht in der Lage, müssen sie dem neu asphaltierten Gehweg bis ans Ende des Platzes folgen, wo er (abgeflacht) in die St. Stefaner Straße mündet – ein Umweg, der für eingeschränkte Menschen sehr lang werden kann. Eine ungewöhnliche Situation in Zeiten wie diesen, in denen Barrierefreiheit eigentlich selbstverständlich geworden sein sollte.

Ein Betroffener spricht

Ein Betroffener ist der Wolfsberger Ewald Rass, der nach einem Unfall seit vielen Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Der 62-Jährig, der den Platz während seines täglichen »Spaziergangs« überquert, sagt: »Ich bin zum Glück in der Lage, über den Randstein zu kommen (Anm.: Er lehnt sich zurück, balanciert auf zwei Rädern und überwindet das Hindernis mit einem kontrollierten »Sprung«). Trotzdem ärgert es mich, dass sich dort, wo früher eine Rampe war, jetzt eine Stufe befindet.«

»Die Rampe wurde nicht installiert, um keinen zu verleiten, hinter den Bussen vorbeizugehen«
Josef Steinkellner, Stadtrat

In anderen Ländern sei es selbstverständlich, dass alle 30 Meter eine Rampe in den Gehsteig eingebaut wird. »Hier, auf einem neu gebauten Platz, aber nicht«, so der Wolfsberger.

Laut Rass stellt die nicht (mehr) abflachte Gehsteigkante abends, wenn sie nicht deutlich sichtbar ist, ein Risiko dar. Für ihn ist es dazu unverständlich, dass keine Alternative geschaffen wurde: Am gesamten Platz gibt es keine einzige Abfahrmöglichkeit, erst an seinem nördlichen Ende, das von den Umbauten nicht betroffen war.

Rass: »Ich kann auch noch verstehen, dass man dort, wo früher eine Rampe war und wo jetzt die Busse halten, keine eingebaut hat. Trotzdem hätte man eine Lösung finden und die Gehsteigkante woanders abflachen müssen. Jetzt müssen Menschen mit Rollatoren einen großen Umweg auf sich nehmen. Von der öffentlichen Hand erwarte ich mir, dass sie barrierefrei baut.«

Es war Absicht

Der für die Wolfsberger Straßen zuständige Stadtrat Josef Steinkellner (ÖVP) sagt: »Die Rampe wurde nicht installiert, um Fußgänger nicht zu verleiten, unmittelbar hinter den Bussen vorbeizugehen. Es war auch nicht möglich, sie so zu errichten, dass sie in die Busbucht führt. Wir werden uns die Situation ansehen und prüfen, ob der Umweg zumutbar ist. Wenn nicht, werden wir eine Möglichkeit suchen, die Situation zu entschärfen. Vielleicht ist seitlich eine Abfahrt möglich.« Sein Nachsatz: Er dankt Rass für den Hinweis.

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