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Herbert Schifferl: »Gott sei Dank haben Menschen das Bedürfnis, anderen in Notsituationen zu helfen«Ausgabe 01 | Mittwoch, 5. Januar 2022

Herbert Schifferls Herz schlägt für die Feuerwehr. Am 1. Februar tritt der Wolfsberger seinen Dienst als neuer Leiter der Klagenfurter Berufsfeuerwehr an. Mit den Unterkärntner Nachrichten spricht der 35-Jährige über Aufgaben, Ziele und den Stellenwert der Freiwilligen.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Philipp Tripolt Von Philipp Tripolt tripoltno@spamunterkaerntner.at
Im Alter von 15 Jahren trat Herbert Schifferl der Freiwilligen Feuerwehr Fischering bei. Für sein Studium zog er nach Graz und wurde Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr Graz. Nach einem umfangreichen Bewerbungsprozess, ging Schifferl als Bestgereihter für den vakanten Posten des Leiters der Klagenfurter Feuerwehr hervor. Foto: FF Graz

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Woher stammt Ihr Interesse für die Feuerwehr?
Die Freude und Leidenschaft zur Feuerwehr begeisterte mich schon im frühen Kindesalter und prägte mich sehr, da mein Vater langjähriger Feuerwehrkommandant der Freiwilligen Feuerwehr Fischering war. Schon in meiner Jugend bekam ich sehr viel vom Feuerwehrwesen mit.

Seit wann sind Sie Feuerwehr-Mitglied?
Mit 15 Jahren durfte ich der Freiwilligen Feuerwehr Fischering beitreten und hatte die Möglichkeit, viele schöne Stunden im Zuge von Feuerwehrübungen, Festbesuchen, Leistungsbewerben sowie Feuerwehrausflügen, aber auch bei Kursen und Schulungen zu erleben, die ich in meinem Leben auf keinen Fall missen möchte. Im Zuge des Studiums »Wirtschaftsingenieurwesen – Maschinenbau« an der Technischen Universität Graz zog es mich 2005 nach Graz. Im Jänner 2015 bin ich der FF Graz beigetreten.

Beschreiben Sie kurz Ihren Feuerwehr-Werdegang.
Von 2001 an war ich ein Jahr Probefeuerwehrmann, dann von 2002 bis 2007 Feuerwehrmann, anschließend bis 2013 Oberfeuerwehrmann und danach Hauptfeuerwehrmann.
Bei der Freiwilligen Feuerwehr Graz wurde ich seit 2015 vom Probefeuerwehrmann zum Feuerwehrmann, anschließend als Gruppenkommandant Löschmeister bis hin zum Brandmeister als Zugskommandant. Ich war Mitglied im Kommando der FF Graz und bin immer wieder unterstützend bei Sonderprojekten, wie dem Umbau der Fahrzeughalle, der Errichtung des Carports, der Fahrzeugersatzbeschaffung tätig oder organisiere den einen oder anderen Feuerwehrausflug. Außerdem führe ich bei uns in der Wehr die Aufnahmegespräche von potenziellen zukünftigen Feuerwehrmitgliedern. Kurz gesagt: Ich bin da, wo man mich braucht.

Was war Ihre Motivation sich für die Stelle als Leiter der Klagenfurter Berufsfeuerwehr zu bewerben?
Aufgrund meiner Leidenschaft zur Feuerwehr habe ich mich kurzerhand entschlossen, mich zu bewerben. Man hat im Leben nur sehr selten die Möglichkeit, sein Hobby zum Beruf zu machen. Diese Chance musste ich ergreifen. Neben dem Bewerbungsschreiben waren Nachweise von abgeschlossenen Ausbildungen und Zusatzqualifikationen wichtig. Gleich im Anschluss begann das Objektivierungsverfahren, das von einer unabhängigen, externen Stelle durchgeführt wurde. Ein persönliches Interview und diverse Eignungstests waren ebenfalls Inhalt des Objektivierungsverfahrens. Beim abschließenden Hearing mit den letzten vier Kandidaten musste man sich der Kommission, bestehend aus Landesfeuerwehrkommandant Rudolf Robin, dem Klagenfurter Magistratsdirektor Peter Jost sowie Vertretern der Personalabteilung, stellen.

Sie gingen als Erstgereihter unter 47 Bewerbern hervor. Wodurch konnten Sie sich von den Mitbewerbern abheben?
Nachdem ich die anderen Kandidaten nicht kenne, kann ich diese Frage nicht wirklich beantworten. Aber ich denke, dass ich mit meinen feuerwehrspezifischen Ausbildungen und den erworbenen Fähigkeiten aus dem Bereich der Wirtschaft hinsichtlich strategischer und operativer Führung sowie Personal- und Ergebnisverantwortung punkten konnte.

Im Vorfeld wurde Kritik laut, weil die Stelle aus kostensparender Sicht nicht intern nachbesetzt wurde bzw. Ihnen und dem Zweitgereihten die Offiziersausbildung fehle.
Die Stelle wurde offiziell ausgeschrieben. Alle Interessenten hatten die Möglichkeit sich zu bewerben, und eine externe Agentur wurde mit der Durchführung des Objektivierungsverfahrens beauftragt. Ich denke, dass man mit dieser Vorgehensweise den geeignetsten Kandidaten für diesen verantwortungsvollen Job finden wollte.

Wie möchten Sie der Kritik, dass Sie noch nie bei einer Berufsfeuerwehr waren, entgegentreten?
Ich sehe es nicht als Nachteil an, wenn man von der Freiwilligen Feuerwehr kommt. Schließlich arbeitet die Berufsfeuerwehr Klagenfurt sehr eng mit den zehn Freiwilligen Feuerwehren in Klagenfurt zusammen. Somit kennt man im Grunde das Feuerwehrwesen und kann sich sehr rasch einarbeiten.

Wann haben Sie in Klagenfurt Ihren offiziellen Dienstantritt?
Meinen Dienst als zukünftiger Branddirektor der Berufsfeuerwehr Klagenfurt werde ich voraussichtlich am 1. Februar antreten.

Beschreiben Sie kurz Ihr zukünftiges Aufgabengebiet.
Meine Aufgabe wird es sein, die Berufsfeuerwehr Klagenfurt mit all ihren Aufgabengebieten, wie dem vorbeugenden Brandschutz, Einsatzdienst usw., strategisch und operativ zu führen. Ein wichtiger Punkt wird die Führung des Personals, die Personalplanung und -entwicklung sein. Ebenso die Zusammenarbeit mit den zehn Freiwilligen Feuerwehren sowie den Betriebsfeuerwehren der Landeshauptstadt.
Neben der wirtschaftlichen Führung der Abteilung zählt auch die Vertretung nach außen – zu Verbänden, Gremien, Ausschüssen sowie Behörden – zu meinen Aufgaben.

Verlagern Sie auch Ihren Lebensmittelpunkt nach Klagenfurt?
Ja, es freut mich sehr, wieder nach Kärnten heimkehren zu dürfen. Abgesehen von den Seen und Bergen hat unser Bundesland sehr viel zu bieten, sodass es einem in puncto Lebensqualität an nichts fehlt.

Welche Ausbildungen haben Sie im Rahmen ihrer Feuerwehrzeit absolviert?
Wie jeder Feuerwehrmann habe ich mit der Grundausbildung begonnen. Durch diverse Kursbesuche an der Feuerwehrschule konnte ich meine Kenntnisse im Bereich der Brandbekämpfung, der Technischen Hilfeleistung, der Einsatzleitung und Führung sowie im Bereich des Katastrophenschutzes erweitern.

Die Offiziersausbildung fehlt noch. Wann wollen Sie sie nachholen?
Ja, das ist richtig. Es ist geplant mit der Offiziersausbildung noch heuer zu beginnen. Erstgespräche dazu gab es bereits.

Welche Ziele haben Sie sich persönlich und für die Klagenfurter Feuerwehr gesetzt?
Mein persönliches Ziel ist es, mir schnell einen Überblick zu verschaffen und mich in das neue Aufgabengebiet einzuarbeiten. Wichtige Themen sind zu priorisieren, sodass die erforderlichen notwendigen Maßnahmen rasch eingeleitet werden können. Feuerwehrtechnisch liegt das Ziel stets darin, für die Klagenfurter Bevölkerung weiterhin ein verlässlicher Partner in unseren Aufgabengebieten zu sein. Großen Wert lege ich auf eine gute Zusammenarbeit zwischen allen Feuerwehren sowie ein gutes Gesprächsklima zu allen Verbänden, Behörden und der Politik. Schwerpunkte möchte ich im Bereich der fortschreitenden Digitalisierung und im Bereich der erforderlichen Ausstattung der Feuerwehr setzen.

Sie waren lange bei der Freiwilligen Feuerwehr. Wie schätzen Sie den Stellenwert der freiwilligen Helfer ein?
Ich denke, dass die Freiwilligen einen sehr hohen Stellenwert bei der Bevölkerung haben. Gott sei Dank haben viele Menschen das Bedürfnis, anderen in Notsituationen zu helfen. Die Kameraden und Kameradinnen der Freiwilligen Feuerwehren investieren ehrenamtlich unzählige Stunden, um für die Bevölkerung 365 Tage im Jahr, zu jeder Tages- und Nachtzeit, bei jeder Witterungslage im Ernstfall da zu sein. Dafür möchte ich mich bedanken.

// Zur Person
Herbert Schifferl ist 35 Jahre alt und wuchs in Fischering bei St. Andrä auf. Er lebt in einer Beziehung und hat keine Kinder. Mit 15 Jahren wurde er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Fischering. 2005 verlagerte er seinen Lebensmittelpunkt aufgrund seines Studiums an der TU Graz in die Steiermark und trat der Freiwilligen Feuerwehr Graz bei. Ab 1. Februar 2022 ist er als Leiter der Klagenfurter Berufsfeuerwehr tätig.

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