Harald Trettenbrein im GesprächAusgabe | Mittwoch, 13. Februar 2019

Der freiheitliche Landtagsabgeordnete Trettenbrein ist mit seinen 16 Dienstjahren im Kärntner Landtag einer der dienstältesten Mandatare. Mit den Unterkärntner Nachrichten hat er über seine Polit-Karriere, Wünsche für das Tal und die Zukunft gesprochen.

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Sie sind mittlerweile einer der  längstdienenden Abgeordneten im Kärntner Landtag. War es eigentlich schon immer Ihr Ziel Politiker zu werden?
Überhaupt nicht. Ich hatte bis zu meinem 40. Lebensjahr mit Politik nichts am Hut. Ich habe Koch gelernt, danach ein Hotel am Rainsberg geführt. Und nach der Geburt meiner Tochter bin ich nach Wolfsberg gezogen und habe bei der Firma Pale eine Arbeit angefangen. Dort war ich 20 Jahre beschäftigt.

Wie sind Sie dann letztendlich zur Politik gekommen?
Ich war bei der Firma Pale lange Zeit Betriebsrat. In dieser Funktion hat man mich bei jedem Besuch von Jörg Haider von Seiten der Firma eingeteilt. Dabei lernte ich Haider kennen und er hat mich regelmäßig gefragt, ob ich nicht bei der FPÖ mitmachen möchte.

Aber es hat dann noch einige Jahre gedauert, bis Sie den Schritt in die Politik gewagt haben, oder?
Zunächst hatte ich keine Zeit dafür und immer wieder abgewunken. Im Jahr 1997 traf ich Haider dann bei einer Wahlkampfveranstaltung und er hat mich gefragt, wie es meinen beiden Töchtern geht. Da hatte ich das Gefühl, dass er Interesse an mir als Mensch hat, denn er konnte sich nach Jahren an mich und meine Familie erinnern. Das war das Schlüsselerlebnis, durch das ich schließlich gesagt habe, ich trete der FPÖ bei.

Und dann legten Sie eine Bilderbuchkarriere auf dem politischen Parkett hin?
Es ging alles ziemlich schnell. Bereits 1998 wurde ich zum Stadtparteiobmann von Wolfsberg gewählt und im Jahr 2000 wurde ich Kammerrat in der Arbeiterkammer. Von 2001 bis 2002 saß ich im Nationalrat, 2003 kehrte ich nach Wolfsberg zurück, wo ich ein Jahr lang Stadtrat war, bevor ich 2004 zum ersten Mal in den Kärntner Landtag einzog.

Bei all diesen politischen Funktionen, welche war für Sie die schönste?
Das ist leicht zu beantworten: zweifelsohne Stadtrat in Wolfsberg. Denn in dieser Funktion ist man den Menschen am Nächsten und kann auch direkt etwas für sie tun. Sei es eine Schotterfuhre, ein Lichtpunkt usw. Als Nationalrat oder Landtagsabgeordneter ist man von der Bevölkerung weiter entfernt.

Jetzt fehlen nur noch Bundesrat und EU-Abgeordneter in Ihrer Funktionärssammlung. Sind diese Ämter ein Ziel?
Ziele sollte man immer haben. Man weiß nie, was die Zukunft bringt. Wenn man mich vor 20 Jahren gefragt hätte, ich hätte auch nie gedacht, dass ich so lange in der Politik bleibe.

Sie sind ja mittlerweile 61 Jahre. Haben Sie sich schon Gedanken darüber gemacht, wann Sie in Pension gehen werden?
Wenn es die Gesundheit zulässt, werde ich der Politik sicher noch einige Jahre erhalten bleiben. Bisher habe ich noch an keinem einzigen Tag daran gedacht, in Pension zu gehen. Wenn ich mit der Politik aufhöre, geht es mir wahrscheinlich besser, aber wenn ich weiter mache, kann ich es für viele besser machen.

Sie haben auch viele Ämter. Wie bringt man das alles unter einen Hut?
Die Politik bringt zwangsläufig Ämter mit sich. Ich bin seit zehn Jahren Aufsichtsrat in der KABEG und war in einigen Wohnbaugenossenschaften Aufsichtsrat. Besonders interessant war meine Tätigkeit als Vorsitzender des Wolfsberger Sozialhilfeverbands. Dabei durfte ich viele Menschen kennenlernen, die mit vollem Engagement für andere da waren und gearbeitet haben. Und das hat auch mich motiviert. Wenn man mit vollem Einsatz bei der Sache ist, fragt man nicht nach der Zeit, sondern setzt sich dafür ein.

Also ist ein Zwölf-Stunden-Arbeitstag für Sie nichts Ungewöhnliches?
Das sollte für keinen Politiker etwas Besonderes sein. Man muss rund um die Uhr für den Bürger da sein. Es kommt vor, dass man einen Anruf um fünf Uhr am Morgen erhält oder um 23 Uhr. Im Gegensatz zu Michi Häupl bin ich nicht schon Dienstagmittag mit meiner Arbeit fertig.

Sie haben den Spitznamen »Dirty Harry« weil Sie auch öfter der Mann fürs Grobe sind. Gefällt Ihnen diese Bezeichnung?
Ich bin ein Mensch mit Ecken und Kanten, nur Nullen haben keine. Ich bin einer, der sich traut, die Wahrheit zu sagen, und das gefällt einigen nicht. Ich schwimme nicht mit dem Strom, das machen nur tote Fische.

Haben Sie ein politisches Vorbild?
Nein. Haider war faszinierend, aber seine Fußstapfen sind zu groß. Da kommt politisch niemand an ihn ran.

Über 20 Jahre in der Politik: Wie hat sie sich verändert?
In dieser Zeit hat sich der Umgang untereinander sicher nicht verbessert. Durch die Medienlandschaft und die neuen Medien wie Facebook ist alles viel schnelllebiger geworden. Schlagzeilen von heute sind morgen Schnee von gestern. Es ist aber auch die Hemmschwelle gesunken, private Angriffe werden immer häufiger. Zu Beginn meiner politischen Karriere gab es viele Ehrenmänner, die gibt es heute nur mehr sehr selten, es gibt kaum Politiker mit Ideologien, viele wollen einfach nur dabei sein. Es gibt mehr Flach- als Tiefwurzler.

Welche Entwicklung macht Ihnen Angst?
Dass in unserer Gesellschaft die Menschen, denen wir unsere Kinder und die ältere Generation anvertrauen, um das zigfache schlechter bezahlt werden als diejenigen, denen wir unser Geld anvertrauen.

Was ist für Sie für das Lavanttal in Zukunft wichtig?
Da gibt es mehrere Spannungsfelder. Zum einen die ärztliche Versorgung, dabei speziell die kinderärztliche Versorgung. Warum gibt es einen Tierärztenotdienst, aber keinen Kinderärztenotdienst. Dann ist mir die wirtschaftliche Entwicklung ein Anliegen. Wir haben im Tal hervorragende Firmen, aber leider fehlt der politische Wille für gemeinsame Projekte, wie z. B. einen interkommunalen Gewerbepark. Da sind andere Bezirke wesentlich fortschrittlicher. Und auch die Sicherheit ist ein sehr wichtiges Anliegen. Durch meine guten Verbindungen zum Innenminister und die Bezirkspolizei werde ich mich auch weiterhin dafür einsetzen, Sicherheitsanliegen für den Bezirk voranzutreiben und auch das Asylquartier für unbegleitete Minderjährige in St. Stefan zu schließen.

Ihre Tätigkeiten sind sehr stressig. Was macht ein Harald Trettenbrein zum Ausgleich?
Mein Hobby sind mein Haus und der Garten. Außerdem spiele ich gerne Karten, zu einem guten Schnapser sage ich nicht nein. Und natürlich meine Familie. Mittlerweile bin ich dreifacher Opa, das ist jetzt mein Lebenselixier.

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