Adele Lassenberger setzt sich für den Schutz und die Rechte von Kindern und Jugendlichen einAusgabe 46 | Mittwoch, 13. November 2019

Seit der Gründung vor elf Jahren leitet Adele Lassenberger (61) das Kinderschutzzentrum »Delfi« in Wolfsberg. In den ersten zehn Jahren konnte 947 belasteten Kindern und Jugendlichen geholfen werden. Heuer lädt das Team zu einem Tag der offenen Tür.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteurin Simone Jäger Von Simone Jäger jaegerno@spamunterkaerntner.at
Adele Lassenberger in ihrem Büro im Kinderschutzzentrum »Delfi« in Wolfsberg. Mittels der beliebten Handpuppen können Kinder unter anderem ausdrücken, wie sie sich gerade fühlen. Foto: Jäger

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Wolfsberg. Im Vorjahr feierte das Kinderschutzzentrum »Delfi« in Wolfsberg sein Zehn-Jahr-Jubiläum. Heuer lädt die Einrichtung, die seit der Gründung von Psychologin Adele Lassenberger geleitet wird, zu einem Tag der offenen Tür am 20. November (Details siehe Info-Box). Gefeiert wird das Doppel-Jubiläum 30 Jahre Gewaltverbot in der Erziehung und 30 Jahre Kinderrechtskonvention. Diesen beiden Meilensteinen in Sachen Kinderschutz steht laut Lassenberger eine Studie gegenüber, die besagt, dass auch heute noch über 50 Prozent der Eltern nicht ohne Körperstrafen (etwa Ohren- oder Haareziehen oder eine »Watsche« aus Überforderung) in der Erziehung ihrer Kinder auskommen. »Der Unterschied zu früher ist, dass Eltern ihr Verhalten nicht mehr verteidigen. Sie erleben sich selbst als hilflos«, sagt Lassenberger. Hier setzt das »Delfi« mit seinem Angebot an, denn es bietet unter anderem Elternberatung zur Unterstützung gewaltfreier Erziehung an. Doch dies ist nur ein Teil der umfangreichen Beratungspalette.

Opferschutzeinrichtung

Nach der Gründung des Kinderschutzzentrums, das unter dem Motto »Hilfe statt Strafe« stand, hat sich das »Delfi« schnell zu einer Opferschutzeinrichtung entwickelt. »Die Gefährdungen für Kinder sind heute sehr komplex«, sagt die Leiterin. Das größte Problem sei die psychische Gewalt: »Wenn Eltern ihren Kindern sagen, dass sie eine Plage in ihrem Leben sind und sie noch ins Grab bringen werden, ist das ganz schlimm.«

Ein offenes Ohr haben Lassenberger und ihre Mitarbeiter für Kinder, Eltern und Familien in Krisensituationen, bei familiärer Gewalt, sexuellem Missbrauch, Krankheit eines Elternteils, die das Kind belastet, Bewältigung von Verlust und Trauer und vielem mehr. »Die schwierigsten Fälle sind für uns jene, in denen wir die Eltern nicht erreichen oder sie ihren Kindern nicht glauben«, erklärt Lassenberger.

Die gebürtige Wienerin lebt seit 1986 mit ihrem Mann in St. Stefan bei Wolfsberg und hat zwei erwachsene Kinder. Durch die außerschulische Arbeit in der Jungschar kam sie früh in Berührung mit der Kinder- und Jugendarbeit. Sie besuchte Kurse und Weiterbildungen und studierte Psychologie in Wien und Salzburg. Später kamen noch Ausbildungen in der Elternbildung und der Geburtsvorbereitung hinzu. »Diese ganzen Bausteine ergaben schließlich ein Ganzes«, sagt Lassenberger. Ab 1992 arbeitete sie beim AVS und leitete unter anderem die Tagesmütter in Kärnten. 2008 erfuhr sie von der geplanten Gründung des Kinderschutzzentrums in Wolfsberg: »In diesem Jahr habe ich auch meinen 50. Geburtstag gefeiert und es hat mich gereizt, noch einmal eine neue Herausforderung anzunehmen.« Seit 2011 ist Lassenberger außerdem Vorsitzende des Bundesverbands Österreichischer Kinderschutzzentren. 30 dieser Einrichtungen gibt es in Österreich, drei davon in Kärnten.

Zu den größten Hobbys der Psychologin zählen Wandern, Kanufahren, Theater und Kultur sowie das Lesen. Meist liest sie mehrere Bücher gleichzeitig, am liebsten Biografien. Ab Sommer 2021 wird Lassenberger noch mehr Zeit für ihre Hobbys haben, denn dann verabschiedet sie sich in den Ruhestand. Ihre jahrzehntelange Berufserfahrung hat ihr gezeigt, dass Kinder die besten Chancen haben, gesunde Erwachsene zu werden, wenn seitens der Eltern Zugewandtheit und Interesse am Kind besteht und es eine sichere Bindung gibt: »Kinder müssen sich auf ihre Eltern verlassen können.« Außerdem muss die Reaktion von Eltern in bestimmten Situationen für Kinder vorhersagbar sein. »Das Wichtigste ist, dass Kinder, wenn sie etwas ausgefressen haben, Eltern haben, die ihnen sagen, dass das nicht in Ordnung war, aber die trotzdem hinter ihnen stehen«, betont Lassenberger und nennt dabei ein Beispiel aus ihrer eigenen Jugend: »Ich bin unerlaubt mit einem Moped gefahren und habe einen kleinen Unfall gebaut. Mein Vater hat sehr böse geschaut, aber als es zur Verhandlung kam, hat er mich wie ein Löwe verteidigt.«

Tag der offenen Tür im Kinderschutzzentrum »Delfi« in Wolfsberg.
Wann: Mittwoch, 20. November.
Wo: »Delfi«, Roßmarkt 3.
Uhrzeit: 10 bis 14 Uhr.

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