Sonja Maria Tesar: »Wir haben im LKH Wolfsberg zwei Stationen für Covid-19-Patienten vorbereitet«Ausgabe 17 | Mittwoch, 22. April 2020

Die medizinische Direktorin des LKH Wolfsberg, Sonja Maria Tesar (42), im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten über die Arbeit in der Krise, wie man mit den Herausforderungen in Wolfsberg umgeht und wer trotz Besuchsverbot noch besucht werden darf.

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Wie geht es Ihnen? 
Ganz unterschiedlich: Einerseits bin ich erleichtert, dass die befürchteten Ausmaße der Krise auf das Kärntner und österreichische Gesundheitssystem nicht eingetreten sind und wir top vorbereitet waren und sind, andererseits bin ich natürlich auch nachdenklich gestimmt und gespannt, welche globalen Folgen diese Pandemie auf unser gesamtes Leben noch haben wird, denn diese Krise führt unweigerlich zu Veränderungen.

Arbeiten Sie zur Zeit im LKH Wolfsberg oder sind Sie im Home-Office?
Gemeinsam mit meinen beiden Kolleginnen und einem großartigen Team war und ist es notwendig, auf die teilweise sehr dynamisch sich entwickelnden Erlässe der Regierung prompt zu reagieren und die Abläufe in unserem Krankenhaus dementsprechend zu adaptieren. Deswegen und um die vielen auftretenden Fragen beantworten zu können, war es für mich als ärztliche Leiterin absolut notwendig, vor Ort im LKH Wolfsberg zu sein, egal welcher Wochentag gerade war.

Wie gut ist das Gesundheitssystem auf die Corona-Krise vorbereitet?
Wir sind in Österreich und Kärnten in der glücklichen Lage, dass wir ein ausgezeichnetes Gesundheitssystem haben und auch dementsprechend gut auf die derzeitige Situation reagieren konnten. Das LKH Wolfsberg hat schon frühzeitig begonnen, entsprechende Maßnahmen zu planen und nach einem Stufenplan umzusetzen. Gemäß den Empfehlungen des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Kon-sumentenschutz wurden in den Akutspitälern der KABEG alle geplanten Eingriffe und Untersuchungen bis auf weiteres verschoben. Oberstes Ziel ist es, damit Kapazitäten für Akutpatienten und mögliche Coronavirus-Fälle freizuhalten sowie eine weitere Verbreitung zu vermeiden. Weiters werden keine neuen Termine für nicht dringliche Untersuchungen und Behandlungen vereinbart, es gilt ein generelles Besuchsverbot und es wurde eine entsprechende Triage eingeführt, um Verdachtsfälle möglichst rasch vom restlichen Patientenstrom zu trennen.

Sind aus medizinischer Sicht die richtigen Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus eingeleitet worden?
Die derzeitige Entwicklung zeigt, dass es einen positiven Einfluss auf die Infektionszahlen gab. Wir haben auf Basis des Epidemiegesetzes den Auftrag, entsprechende Strukturen für die Behandlung von Covid-Patienten vorzusehen. Daher werden in allen Spitälern weiterhin Strukturen zur isolierten Versorgung von Covid-Patienten vorgehalten. Dies wurde auch gemäß einem Stufenplan umgesetzt. Eine Reduktion der vorgehaltenen Kapazitäten und Wiederaufnahme von planbaren Eingriffen hängt von der weiteren Beschlusslage ab. Im Koordinationsgremium und den Spitälern finden derzeit Abstimmungen und Planungen statt, wie und in welcher Form der elektive OP- und Ambulanzbetrieb wieder schrittweise hochgefahren werden kann.

2019 gab es 1.400 Influenzatote in Österreich. Derzeit haben wir 410 Todesfälle in Verbindung mit Corona. Was unterscheidet die Grippe von Corona und warum gibt es nun diese drastischen Maßnahmen gegen Corona?
Da wir in Nachbarländern wie Italien einen Nahezu-Zusammenbruch des Gesundheitssystems drastisch in Form von Bildern transportiert bekommen haben, entstand eine große Angst, auch unser Land könnte in diesem Ausmaß, wenn nicht adäquat vorbereitet, betroffen sein. Bei der Influenza handelt es sich um eine Virusinfektion, die saisonal begrenzt auftritt, denn sobald es wärmer wird, ist sie kein Thema mehr. Bei Covid-19 wurde die Pande-mie von der WHO ausgerufen. Dass man nun das Thema Impfstoff im Fokus hat, zeigt außerdem, dass es uns wichtiger sein muss, verfügbare Impfungen gegen solch teilweise lebensbedrohliche Virusinfektionen, wie auch Influenza eine ist, gegen die es bereits seit Jahren eine Impfung gibt, großzügiger in Anspruch zu nehmen. Ich könnte mir vorstellen, dass es hier zu einem Umdenken in der Einstellung zu Impfungen kommen wird.

Wie geht das LKH Wolfsberg mit der Corona-Krise um?
Wir haben zunächst gemäß der gesetzlichen Vorgaben den Betrieb auf die Versorgung akuter und dringlicher Behandlungen eingeschränkt und alle Vorkehrungen zur Versorgung der Covid-19 Verdachtsfälle und tatsächlich positiv getesteter Patienten getroffen. Derzeit geht es in enger Abstimmung mit allen Häusern im KABEG-Verbund um ein schrittweises Wiederaufnehmen eines Regelbetriebs, jedoch sicherlich in einer Art Parallelstruktur zur noch länger notwendigen Gewährleistung einer Weiterversorgung der Covid-19-Patienten unter Einhaltung der hygienischen Standards. Kein Patient muss Angst vor einer Infektion haben, wenn er wegen einer anstehenden Untersuchung und Behandlung ins LKH Wolfsberg muss, die Patientenströme sind weiterhin kontrolliert, damit kein ungeschützter Kontakt zu einem Covid-19-Patienten entstehen kann.

Gibt es eigene Mannschaften für Corona-Patienten? 
Durch die Umsetzung unseres Pandemie-Planes kam es zur Implementierung einer eigenen Triage-Stelle, die es ermöglicht, dass jeder, der zu uns ins Haus muss oder will, dort durch geschultes Personal aus Ärzten, Pflegekräften erapeuten und administrativen Kräften gezielt hinsichtlich Covid-19 abgefragt und untersucht wird. Es wurden alle Mitarbeiter intensiv und spezifisch geschult.

Haben Sie Corona-Patienten im LKH Wolfsberg?
Ja, wir haben zwei Stationen ei-gens dafür vorbereitet und umstrukturiert, wo wir sogenannte Verdachtsfälle und tatsächlich erkrankte Patienten getrennt von all unseren anderen Patienten unter Einhaltung aller hygienischen Vorschriften betreuen können.

Laufen die Stationen in Vollbetrieb?
Nein, denn gemäß des Erlasses der Bundesregierung mussten alle Krankenhäuser Kapazitäten für Covid-19-Patienten zur Verfügung stellen und auf einen Notbetrieb umstellen. Alle akut und dringlich notwendigen Behandlungen sind jedoch zu jedem Zeitpunkt und getrennt von den Infektbereichen durchgeführt worden und werden durchgeführt. Wir sind gerade dabei, die schrittweise Aufnahme des Regelbetriebs zu planen.

Gibt es Engpässe, zum Beispiel bei der Schutzausrüstung?
Generell galt und gilt es, sorgsam und vernünftig mit allen Ressourcen umzugehen. Wir haben zu jedem Zeitpunkt einen genauen Überblick über den aktuellen und in naher Zukunft aufkommenden Bedarf an Schutzausrüstung sowie deren Verfügbarkeit am Weltmarkt. Wirkliche Engpässe gab und gibt es nicht.

Wie ist die Stimmung unter den stationären Patienten?
Die Patienten schätzen den trotz der Krise geordneten Ablauf, da alle Mitarbeiter gut geschult und informiert sind.

Wie läuft es in der Geriatrie, wo es für Patienten schwierig ist, keinen Besuch zu bekommen?
Gerade diese Patienten gehören zu einer Risikogruppe, die besonders geschützt werden muss. Wir ermöglichen unseren Patienten zumindest regelmäßig zu telefonieren. Ansonsten ist das Besuchsverbot derzeit eine drastische Einschränkung der Lebensqualität unserer Patienten, denn kein Kommunikationsmittel der Welt kann den persönlichen Kontakt zu den Angehörigen, eine Berührung oder Umarmung, ersetzen.

Kann man bei einem Notfall selbst ins LKH gehen oder muss man sich abholen lassen?
Durch die Einführung einer entsprechenden Triage wird verhindert, dass sich das Virus unkontrolliert verbreitet und Verdachtsfälle möglichst rasch vom restlichen Patientenstrom getrennt werden. Es gibt für alle Patienten, ob selbst oder per Rettungssystem ankommend, einen Eingang, wo eine Art Screening hinsichtlich Covid-19 erfolgt.

Wer zählt zu den Risikogruppen und was  raten Sie diesen Menschen in der jetzigen Situation?
Die Risikogruppen sind klar defi-niert: Es sind ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen, die eine Schwächung des Immunsystems mit sich bringen. Diesen ist zu raten, sich besonders streng an alle Bestimmungen der Regierung zu halten, vor allem den ungeschützten Kontakt zu Menschen zu vermeiden, mit denen sie nicht im selben Haushalt leben und auf den Erhalt eines intakten Immunsystems zu achten.

Wie sieht es mit den Menschen aus, die zu ambulanten Kontrollen kommen?
Per Definition eines Notbetriebes können auch ambulant nur dringliche Behandlungen durchgeführt werden. Insgesamt ist zu sagen, dass wir für alle Patientenkontakte in Zeiten wie diesen durch z.B. das Tragen von Masken oder einer sonstigen Schutzausrüstung, Abstandhalten, das genaue Planen einer limitierten Anzahl von eintreffenden Patienten an einem Ort zu einer bestimmten Zeit usw. genaue Richtlinien entwickelt und Vorkehrungen getroffen haben, damit es zu keiner erhöhten Ansteckungsgefahr kommen kann.

Es gibt ja ein Besuchsverbot. Gibt es Ausnahmen? 
Zum Schutz der Patienten und Mitarbeiter gilt weiterhin ein generelles Besuchsverbot, ausgenommen sind Besuche bei sterbenden Patienten sowie Kindern.

Wie schützen Sie sich persönlich?
Ich halte mich einfach an die Vorschriften der Regierung und nehme Vitamin C und Zink nahezu das ganze Jahr über ein.

Wie ist das tägliche Pendeln zwischen Klagenfurt und Wolfsberg?
Durch die Ausgangsbeschränkun-gen war ich vielfach ziemlich allein auf der Autobahn, was sich günstig auf die Fahrzeit ausgewirkt hat.

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