Der neue Kriminalreferent: »Es gibt im Tal nicht mehr Suchtgiftdelikte als anderswo auch« Ausgabe 4 | Mittwoch, 22. Januar 2020

Herbert Schweiger (56) ist der neue Kriminalreferent des Bezirkspolizeikommandos Wolfsberg. Mit den Unterkärntner Nachrichten sprach er über seine neue Aufgaben und Pläne für die Zukunft, die verstärkte Präventionsarbeit und die Nachbetreuung von Opfern.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Herbert Schweiger ist seit Dezember des Vorjahrs Kriminalreferent des Bezirkspolizeikommandos Wolfsberg. Er folgt Michael Nößler nach. Foto: UN/much

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Wollten Sie schon als Kind Polizist werden? 
Es hat sich in der Schule abgezeichnet, dass ich zur Polizei gehen werde. Ich wollte schon immer mit Menschen arbeiten und nicht ausschließlich in einem Büro sitzen.

Wie war nach der Schule Ihr Werdegang bei der Polizei? 
Nach dem Bundesheer habe ich die Polizeiausbildung in Krumpendorf absolviert. Danach kam ich zur Dienststelle in Preitenegg, wo ich bis Ende des vergangenen Jahres, abgesehen von einer kurzen Unterbrechung, tätig war. Ab 2003 war ich dann Postenkommandant in Preitenegg. Und ich war auch 30 Jahre bei der Einsatzeinheit. Das ist eine Spezialeinheit, die bei Demonstrationen oder Fußballspielen vor Ort ist. Mit dieser Einheit war ich österreichweit, aber auch im Ausland unterwegs.

Wie kam es nun zum Wechsel in den Kriminaldienst? 
Mein erster Dienststellenleiter in Preitenegg setzte einen Schwerpunkt auf den Kriminaldienst. So kam ich dann schließlich zum koordinierten Kriminaldienst des Bezirks, wo ich vorwiegend im Bereich Prävention und dort für Gewalt in der Privatsphäre zuständig war.

»Die Deliktzahlen stagnieren im Bezirk, im IT-Bereich werden wir aber überschwemmt«
Herbert Schweiger, Kriminalreferent

Werden Sie Ihre Tätigkeit als Postenkommandant von Preitenegg vermissen? 
Auf alle Fälle wird mir der Kontakt zur Preitenegger Bevölkerung, den Vereinen und Institutionen abgehen. Und natürlich werde ich auch die Kollegen vermissen, wir haben uns alle immer sehr gut verstanden. 

Wie viele Beamte arbeiten beim Kriminalreferat? 
Es gibt keine eigene Abteilung Kriminalreferat. Jede Dienststelle hat Beamte, die auf Kriminaldienst spezialisiert sind. Es gibt nur bei der Polizeiinspektion Wolfsberg Beamte, die sich ständig mit dem Kriminaldienst beschäftigen. Ich bin als Referent für den Kriminaldienst im Bezirk zuständig und arbeite mit den Beamten der einzelnen Dienststellen im Anlassfall zusammen.

Vor Jahren wurden im Lavanttal Polizeiinspektionen geschlossen. Hat sich das negativ ausgewirkt? 
Ein engerer Kontakt zur Bevölkerung wäre wünschenswert. Aber durch die Postenschließungen wurde das Personal ja nicht reduziert, es wurden lediglich die Einsatzgebiete etwas größer.

Sind die Ressourcen im Lavanttal ausreichend? 
Mehr Beamte könnte man immer haben, aber man muss schauen, mit den vorhandenen Mitteln auszukommen. Jetzt steht bald wieder eine Pensionierungswelle an, aber es befinden sich derzeit auch viele junge Menschen in Ausbildung, die bald ihren Dienst versehen werden. 

»Aus subjektiver Sicht ist der Respekt gegenüber Uniformierten sicher rückläufig«
Herbert Schweiger, Kriminalreferent

Was sind die häufigsten Delikte im Bezirk Wolfsberg? 
Die Zahlen sind in den vergangenen Jahren vorwiegend stagnierend. Im IT-Bereich werden wir aber geradezu überschwemmt. Und auch im Zusammenhang mit Suchtmitteln gibt es häufig Delikte.

Und wie kann man vorgehen, um die Zahl der Delikte zu senken? 
Bei den Suchtmitteln muss man präventiv auf die jungen Leute zugehen, die Aufklärungsarbeit muss in den Schulen beginnen. Bei den IT-Delikten steht auch wieder Aufklärung und Prävention im Vordergrund. Hier müssen aber alle Altersgruppen miteinbezogen werden. 

Wolfsberg wird oft als Drogenhochburg in Kärnten bezeichnet, ist das so? 
Das kann ich so nicht bestätigen. Auch die statistische Auswertung zeigt hier keine Auffälligkeiten. Es gibt hier im Lavanttal nicht mehr und auch nicht weniger Suchtgiftdelikte als anderswo. Es gibt bei uns sechs Beamte, die daran arbeiten und regelmäßig Schwerpunktaktionen setzen. 

Gibt es im Lavanttal eigentlich auch »schwere Jungs«, die die Polizei regelmäßig beschäftigen? 
Richtig »schwere Jungs« gibt es im Lavanttal nicht. Es gibt natürlich immer wieder Leute, die wir über einen längeren Zeitraum dienstlich »begleiten«, aber nach einer gewissen Zeit verschwinden sie wieder, weil sie entweder gescheiter geworden sind oder das Lavanttal verlassen haben.

Einen gewaltigen Anstieg gibt es bei der Internetkriminalität. Was ist geplant, um gegenzusteuern? 
Prävention und viel Aufklärungsarbeit. Ich ersuche die Bevölkerung sich bei Fragen oder Problemen an die Polizei zu wenden und auch die von uns angebotenen Veranstaltungen zu diesem Thema zu besuchen.

Was halten Sie von der Präventivhaft, die man nun in Österreich einführen möchte? 
Ich denke, es sollte diese Möglichkeit geben. Es gibt die Präventivhaft ja schon in vielen Ländern. Aber es muss damit natürlich sehr vorsichtig umgegangen werden, denn Freiheit ist ein wichtiges Gut.

Und wie denken Sie über den Einsatz von Überwachungskameras auf öffentlichen Plätzen? 
Aus dienstlicher Sicht wäre das eine sehr gute Idee und äußerst hilfreich. Privat kann ich die Bedenken sehr gut verstehen. Ich möchte auch nicht auf Schritt und Tritt überwacht werden.

Es scheint, als hätte in den vergangenen Jahren der Respekt gegenüber Polizisten abgenommen. Sehen Sie das auch so? 
Aus subjektiver Sicht ist der Respekt gegenüber Uniformierten sicher rückläufig. Ich denke, dagegen müssen wir vorgehen, indem wir aktiv auf die Bevölkerung zugehen und ihr zu verstehen geben, was unsere Aufgabengebiete sind und dass wir für die Bevölkerung da sind.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft? 
Ich habe von meinem Vorgänger Michael Nößler ein gut bestelltes Haus übernommen. In Zukunft möchte ich bei den bestehenden Strukturen ein wenig nachschärfen, wo es notwendig ist. Weiters möchte ich die Aufklärungsrate steigern und Delikte durch gute Präventionsarbeit verhindern. Was mir auch ganz wichtig ist, ist die Forcierung der Nachbetreuung von Opfern. Die Menschen sollen wissen, dass etwas getan wird und jemand da ist, der sich um sie kümmert. Auch möchte ich die jungen Kollegen motivieren, sich im Kriminaldienst zu engagieren und sich dabei auf einen Bereich, der ihnen zusagt zu spezialisieren.

Haben Sie noch einen Appell an die Bevölkerung? 
Wenn die Menschen etwas Verdächtiges wahrnehmen, sollten sie das unbedingt melden. Es ist besser, einmal zu oft anzurufen.

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