Liebeskummer: Lavanttaler schoss sich selbst ins BeinAusgabe 9 | Mittwoch, 26. Februar 2020

Weil die Beziehung zu seiner Freundin zerbrochen war, griff ein junger Mann zum Luftdruckgewehr und drückte ab. Danach machte er ein Foto der Einschüsse und forderte das Mädchen damit zu einem Gespräch auf. Rettungskräfte fand den Mann bei Bekannten.

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Lavanttal. Verzweiflung und Frustration dürften Auslöser einer aufsehenerregenden Tat im Lavanttal gewesen sein. Wie jetzt bekannt wird, schoss sich ein junger Mann mit einem Luftdruckgewehr mehrmals in den eigenen Unterschenkel, nachdem die Beziehung zu seiner Freundin in die Brüche gegangen war. Danach machte er ein Foto der Wunden und versandte es über einen Internetdienst. Polizei und Rettungskräfte suchten den Mann, fanden ihn bei Bekannten und brachten ihn ins Krankenhaus.

Die Unterkärntner Nachrichten sprachen mit der Psychotherapeutin Annette Kirschner, der der Fall nicht vertraut ist, generell über Liebeskummer. Wie ein Mensch mit Extremsituationen umgeht, hängt laut der Wolfsbergerin davon ab, ob Strategien entwickelt wurden, sich zu stabilisieren. Sie empfiehlt, Hilfe zu suchen, eine Selbsttherapie mit Alkohol sei »nicht empfehlenswert«.

 Es waren dramatische Szenen, die sich vor rund zwei Wochen im Lavanttal abspielten. Wie jetzt bekannt wurde, hat sich ein junger Mann ins eigene Bein geschossen – offenbar aus Verzweiflung und Frustration darüber, dass die Beziehung zu seiner minderjährigen Freundin zerbrochen war.

Der Lavanttaler griff darauf zu einem Luftdruckgewehr und feuerte sich zwei Projektile in den linken Unterschenkel. Danach fotografierte er den blutüberströmten Körperteil und versah ihn mit einem Text, in dem er seine Ex-Freundin zu einem Gespräch aufforderte. Sollte sie ablehnen, kündigte er an, werde er sich auch am anderen Bein verletzen. Das Foto, das den Unterkärntner Nachrichten vorliegt, das aber nicht veröffentlicht werden kann, verschickte er samt Text über einen Internetdienst.

Nun wurden Polizei und Rettung eingeschaltet. Als die Beamten den Mann in seiner Unterkunft nicht antrafen, machten sie sich auf die Suche – und fanden ihn schließlich bei Bekannten, dem Vernehmen nach nicht nüchtern. Er wurde in ein Krankenhaus  transportiert, wo ihm Ärzte die Projektile entfernten.

Die Wolfsberger Psychotherapeutin Annette Kirschner ist mit dem Fall nicht vertraut. Grundsätzlich meint sie: »Wie ein Mensch bei Liebeskummer reagiert, hängt von mehreren Faktoren ab: Wie lange dauerte die Beziehung, wie intensiv war sie, wie sieht die Persönlichkeit des Betroffenen aus?« Hat er keine Umgangsstrategien entwickelt und nicht gelernt, sich selbst zu stabilisieren und seine Gefühle zu regulieren, kann es aufgrund der überquellenden Emotionen zu Problemen kommen. 

Die Psychotherapeutin empfiehlt Betroffenen in solchen Fällen, sich Hilfe zu suchen: »Das kann der Freundeskreis sein aber auch professionelle Unterstützung, etwa die Telefonseelsorge. Wenn Angehörige das Leid bemerken, sollen sie nicht darüber hinwegsehen, sondern sich an den Krisendienst wenden oder eine Beratungsstelle kontaktieren. Das ist keine Schande, sondern ein Zeichen der Reife: Schließlich geht man auch zum Arzt, wenn man sich das Bein gebrochen hat, und sagt nicht: Wird schon von alleine wieder werden.« War die Annahme psychologischer Hilfe früher ein Tabu, haben sich die Zeiten geändert. Kirschner: »Mittlerweile sind ein Drittel der Klienten männlich.« Eine Selbsttherapierung, beispielsweise mit Alkohol, ist laut der Therapeutin »nicht empfehlenswert«.

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