Haydar Al Mozoal: »Unsere Kinder werden aus der Schule und ihrer gewohnten Umgebung gerissen«Ausgabe 23 | Mittwoch, 3. Juni 2020

Vor fünf Jahren gelang Haydar Al Mozoal mit seiner Familie die Flucht aus dem Irak. Er kam nach Österreich, wo er um Asyl ansuchte. Der Asylantrag sowie ein Folgeantrag wurden abgelehnt. Nun muss die Familie Wolfsberg verlassen und in ein Asylzentrum ziehen.

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Wolfsberg. 2015 mussten der Iraker Haydar Al Mozoal und seine Frau Zeinab Al Katrany mit den drei Kindern ihre Heimat, den Irak, verlassen. Gegen Al Mozoal, der als Matrose mit Amerikanern und Briten zusammenarbeitete, wurde vom örtlichen Iman eine Fatwa ausgesprochen, was für ihn einem Todesurteil gleichkam. Also blieb Haydar keine andere Möglichkeit als seine Heimat zu verlassen und so startete die Familie eine zweimonatige Odyssee per Boot, Zug und zu Fuß über die Türkei, Griechenland und Italien, bis die Familie im September 2015 in Villach ankam. 

»Wir wurden herzlich empfangen, die Menschen und das Rote Kreuz haben uns unterstützt und dazu geraten, einen Asylantrag zu stellen. Es war zunächst ja nicht geplant in Österreich zu bleiben, ich wollte nur schnell und weit weg aus dem Irak«, erzählt Haydar.  

Also wurde umgehend ein Asylantrag gestellt, doch dabei kam es zu ersten Problemen. »Bei der Antragsstellung hat man aus Haydar einfach Hassan gemacht. Als ich die Beamten auf den Fehler aufmerksam machte, hat das niemanden interessiert. Man sagte mir, entweder du sagst du bist Hassan oder du gehst wieder zurück in den Irak«, ärgert sich Haydar, der weiter meint: »Egal was ich sagte, niemand glaubte mir.« 

So wurde der Antrag schließlich abgelehnt. Also wurde ein zweiter Asylantrag eingebracht, mit den richtigen Angaben. Bis darüber entschieden wurde, sollten Jahre vergehen. 2020, also nachdem die Familie Al Mozoal bereits fünf Jahre in Wolfsberg lebte, kam schließlich die Entscheidung: Der Asylantrag wurde abgelehnt. 

»Da haben Menschen über unser Schicksal entschieden, die die Lage im Irak nicht kennen, als Dolmetscher wurde ein Ägypter eingesetzt, da kam es zu Übersetzungsfehlern und vieles mehr«, ist  Haydar enttäuscht. 

Nun bleiben ihm und seiner Familie sechs Wochen Zeit, um sich in das Asylerstaufnahmezentrum am Flughafen Wien zu begeben. Wie es dort weitergeht, ist unklar.

Für die Familie bricht die Welt zusammen. Seit November 2015 lebt sie in Wolfsberg. Die Kinder Abdul Karim (13) und Abass (9) besuchen die Schule, der Jüngste, Ali (6), geht in den Kindergarten. Der Familienvater ist verzweifelt, der einzige Weg, der ihm jetzt noch bleibt, ist der Gang zum Verwaltungsgerichtshof. Doch der ist mit hohen Kosten verbunden. »Wir sind am Ende. Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Die Kinder werden aus der Schule und ihrer Umgebung gerissen. Menschen aus der selben Stadt wie wir, haben einen positiven Bescheid erhalten, unserer wurde abgelehnt«, versteht Haydar die Welt nicht mehr.

Verärgert ist auch die Klagenfurterin Andrea Slama, die die Familie seit ihrer Ankunft in Kärnten unterstützt. »Nach der Fatwa blieb Haydar keine andere Wahl als das Land zu verlassen. Das wurde in keinem Verfahren berücksichtigt.« Sie erhebt schwere Vorwürfe gegen den »Verein für Menschenrechte«: »Die schlechte Rechtsvertretung ist schuld am negativen Asylbescheid. Die Familie ist super integriert und wird nun Opfer des perfiden Spiels unserer Politik. 

Auch der Wolfsberger Gerhard Hermann setzt sich für die Familie ein: »Es geht um Gerechtigkeit. Die Familie ist integriert, spricht Deutsch und wird abgelehnt. Andere Menschen aus der selben Stadt wie Haydar haben einen positiven Bescheid erhalten.« Nun hoffen Hermann und die Familie darauf, ein paar Unterstützer zu finden, die es ihnen ermöglichen einen Rechtsanwalt zu engagieren und den Gang vor den Verwaltungsgerichtshof zu unterstützen.

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