Obdacher Unternehmen entwickelte in Rekordzeit ein Notfall-Beatmungsgerät für Covid-19-PatientenAusgabe 17 | Mittwoch, 22. April 2020

In nur rund zwei Wochen konstruierte und fertigte die Hage Sondermaschinenbau GmbH in Obdach ein Beatmungsgerät, das im Notfall für Covid-19-Patienten zum Einsatz kommen soll. Bis zu 100 Geräte könnten pro Woche im Obdacher Werk gefertigt werden.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Philipp Tripolt Von Philipp Tripolt tripoltno@spamunterkaerntner.at
Technischer Geschäftsführer der Hage Sondermaschinenbau GmbH, Peter Freigassner, die Eigentümer Stefan und Florian Hampel sowie Thomas Janics, Business Unit Manager Hage 3D (v. l.). Foto: Hage

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Obdach. Die Hage Sondermaschinenbau GmbH in Obdach ist bekannt für die Herstellung von maßgeschneiderten Anlagen. Die Coronakrise sorgte für eine projektbezogene Umorientierung. »Wenn man in den Nachrichten verfolgt hat, wie es in den Ländern rund um Österreich steht, dass medizinisches Personal entscheiden muss, wem man noch helfen soll und wem nicht mehr, regt das zum Nachdenken an. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, dass wir irgendwie helfen müssen«, so Peter Freigassner, technischer Geschäftsführer des Unternehmens. Seiner Idee, ein Notfall-Beatmungsgerät zu konstruieren und zu fertigen, wurde umgehend nachgegangen, wie er verrät: »Ich habe mich am Wochenende daheim eingesperrt und mich eingelesen. Wir hatten als Unternehmen keinen Bezug und mussten bei Null starten.« Die medizinische Expertise lieferte die Medizinische Universität Graz.

Das Kernteam, das an der Entwicklung des Beatmungsgeräts mitgewirkt hat, besteht, inklusive Freigassner, aus fünf Mitarbeitern, die freiwillig und ohne die Stunden zu schreiben, am Projekt gearbeitet haben. »Ich habe die Mitarbeiter um ihre Hilfe gebeten. Alle haben sofort zugestimmt, an einem Sonntag dafür zu arbeiten.«
Konstruiert und gefertigt wurden zwei Prototypen mit jeweils unterschiedlichen Systemen. Das zweite System wurde von den Hage-Mitarbeitern in nur drei Tagen gefertigt.

»Im besten Fall wird das Beatmungsgerät niemand brauchen«
Peter Freigassner, Technischer Geschäftsführer

Viel Entwicklungszeit hatte die Hage Sondermaschinen GmbH mit dem Tochterunternehmen Hage 3D auch nicht für die Entwicklung. Freigassner: »Die Tierversuche waren bereits terminiert, hier konnten wir uns dranhängen.« Neben dem kompletten Beatmungsgerät wurde auch die dazugehörige Software vom Unternehmen programmiert.

Kein Einsatz in Österreich
Bis zu 100 Beatmungsgeräte könnten im Bedarfsfall pro Woche in Obdach produziert werden. »Im besten Fall wird das Beatmungsgerät keiner brauchen. Gedacht ist, dass es im Notfall schnell verfügbar ist. Sollte dieser Fall nicht eintreten, landet es in der Entwicklungsschublade«, stellt Freigassner klar, der darauf hinweist, dass das Gerät kein Medizinprodukt ist: »Das war auch nicht unsere Intention. Wir wollen uns damit nicht mit den großen Herstellern vergleichen oder uns daran bereichern, sondern aufzeigen, was möglich ist.«

Das Notfallgerät ist ausschließlich für die Behandlung von Covid-19-Patienten angedacht. »In Österreich wird es Gott sei Dank nicht benötigt, aber aus Entwicklungsländern bekommen wir laufend Anfragen«, so Freigassner. 

// INFO
Hage Sondermaschinenbau GmbH
Hauptstraße 52e,
8742 Obdach
Tel.: 03578 2209
Mail: office@hage.at
Web: www.hage.at

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