Liebe überwindet jedes Hindernis: Hochzeit mit Patienten der Intensivstation im LKH WolfsbergAusgabe 38 | Mittwoch, 18. September 2019

Da die Entwicklung des Zustands von Norbert Golob nach einer Not-OP nicht vorhersehbar war, organisierte seine Braut Claudia Morina eine Eheschließung im Krankenhaus – die erste mit einem Intensivpatienten. Jetzt erzählt sie davon und bedankt sich.

E-Mail

0 Kommentare

Meist gelesen

Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Kakl Von Horst Kakl kaklno@spamunterkaerntner.at
Weil es schnell gehen musste, fand die Hochzeit im kleinen Kreis statt: Margarete Golob, die Mutter des Bräutigams, dessen Nichte Sonja Schwaiger, Norbert Golob, Claudia Morina und deren Mutter Renate Kailich (v. l.). »Wenn er sich erholt hat, werden wir die Trauung wiederholen«, sagt die Braut.Foto: Gutschi/Repro

Artikel

Wolfsberg. »Ich liebe ihn so sehr. Ich würde für ihn die Sterne vom Himmel stehlen.« Das sagt die 42-jährige Claudia Morina, die am 6. September um 11 Uhr ihrem Norbert Golob das Ja-Wort gab. Das Besondere dabei: Die Hochzeit wurde im LKH Wolfsberg gefeiert, wo der 57-jährige Bräutigam als Patient auf der Intensivstation betreut wurde. Eine solche Eheschließung gab es in der Bezirksstadt noch nie.

Der Wolfsberger und die Wienerin sind seit 2012 ein Paar. »Es hat bei uns sofort gefunkt. Unsere Spitznamen sind Bonnie und Clyde«, sagt Morina. Drei Jahre später erkrankte Golob schwer. »Die Leber, die Bauchspeicheldrüse und mehr, mittlerweile ist er von 70 auf 49 Kilo abgemagert, aber er kämpft sich immer wieder ins Leben zurück.« Danach sah es vor einigen Wochen allerdings nicht aus.

Nach Problemen mit der Bauchspeicheldrüse musste Golob ein Stent eingesetzt werden, es kam zu Komplikationen, eine Notoperation musste durchgeführt werden. Morina: »Eigentlich wollten wir am 5. Oktober heiraten. Als er nach der OP aus dem Tiefschlaf erwachte, fragte ihn das Personal, ob er immer noch die Ehe mit mir schließen möchte. Er sagte ja, worauf ich gleich alles zu organisieren begann. Denn die weitere Entwicklung seines Zustands war nicht absehbar.«

»Ich liebe ihn so sehr, ich würde für ihn die  Sterne vom Himmel stehlen«
Claudia Morina, Braut

Der für die Intensivstation verantwortliche Primar Rudolf Likar war mit der Vermählung im LKH Wolfsberg einverstanden, Morina wandte sich darauf an die Wolfsberger Standesbeamtin Heide Maria Krusch: »Sie sagte sofort zu, uns zu trauen.« Das Besprechungszimmer wurde kurzerhand in einen Trauungssaal umgewandelt und dekoriert.

Hochzeit in Weiß

Ärzte und Schwestern standen Spalier, als Golob, gewandet in einen Anzug, mit dem Rollstuhl in den Saal gebracht wurde, wo seine künftige Ehefrau im weißen Kleid auf ihn wartete. Weil es schnell gehen musste, wurde im kleinen Kreis geheiratet: Außer dem Brautpaar waren Morinas Mutter Renate Kailich, Golobs Mutter Margarete Golob und seine Nichte Sonja Schwaiger dabei. 

»Ich war schon lange nicht mehr so nervös und aufgeregt wie vor der Hochzeit«, sagt Morina, »ich konnte kaum fahren. Aber es ist super gelaufen, die Standesbeamtin hat es sehr schön gemacht.«

Dankbar ist sie nicht nur ihr. »Ich möchte auch Primar Likar danken, der bei der Hochzeit nicht dabei sein konnte, weil er auf einem Kongress war, aber uns danach gratulierte. Außerdem den Ärzten und Schwestern, die so viel für Norbert leisten, und dem Fotografen Georg Gutschi, der kurzfristig Zeit für uns hatte.«

War es Schicksal oder der pure Zufall: Zum Zeitpunkt der Trauung kam es in Morinas Wohnung zu einer Überspannung im Stromnetz. Und: Die Uhr des Bräutigams blieb um exakt 11 Uhr stehen ...

Schlechte Omen waren es nicht, denn Golob geht es mittlerweile besser. Er wird jetzt auf der geriatrischen Abteilung betreut, kann wieder einige Schritte gehen, isst. »Wenn er sich erholt hat, werden wir die Trauung wiederholen und im Friesacherhof, wo es ihm so gut schmeckt, mit der ganzen Patchwork-Familie feiern.« Dann sollen auch die drei Kinder Golobs und Morinas zwei Sprösslinge dabei sein. Außerdem die beiden Enkel. »Sie sind der ganze Stolz von Norbert«, sagt seine frisch gebackene Ehefrau.

Eine Hochzeitsreise ist nicht geplant: »Wenn, dann kann ich mir ein Picknick im Wald vorstellen. Denn er ist ein leidenschaftlicher Schwammerlsucher.«

0 Kommentare Kommentieren

Keine Kommentare gefunden!

Liebe Leserinnen und Leser, in diesem Kommentarbereich prüfen wir alle Beiträge, bevor sie veröffentlicht werden. Ihr Kommentar erscheint, sobald er gesichtet wurde.

Bitte melden Sie sich an, um die Beiträge zu lesen oder zu kommentieren.AnmeldenHier Registrieren