Die Coronakrise beschert den Lavanttaler Pfarren Ebbe in den Klingelbeuteln – Spenden bleiben ausAusgabe 18 | Sonntag, 3. Mai 2020

Da Gottesdienste nicht besucht werden dürfen, gibt es auch keine Kollekte, was ein harter Schlag ist. So sind die Spenden laut Gerfried Sitar, Dechant von St. Andrä, die Haupteinnahmequelle der Pfarre. Er kritisiert die Maßnahmen: »Den Menschen fehlt der Beistand.«

E-Mail

0 Kommentare

Meist gelesen

Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Kakl Von Horst Kakl kaklno@spamunterkaerntner.at
Auf den Inhalt der Kollekte müssen die Priester Christoph Kranitzki (kl. Bild, oben), Gerfried Sitar (MItte) und Martin Edlinger (unten) jetzt verzichten. Doch es gibt augenblicklich Wichtigeres, sagen sie unisono, die Sorge um die Menschen. Fotos: Burkard Vogt/pixelio.de, Hok, UN-Archiv

Artikel

Lavanttal. Die Coronakrise hat (auch) auf die Pfarren des Tals einen negativen Effekt. Aufgrund des Verbots, Gottesdienste mit den Gläubigen zu feiern, bleiben derzeit nicht nur die Kirchen, sondern auch die Klingelbeutel leer. Zwar schmerzt die Priester die verordnete »Vernachlässigung« ihrer Schutzbefohlenen mehr, doch ohne Geld wird die Situation auch nicht besser. Der für St. Andrä zuständige Dechant Gerfried Sitar zeichnet ein dramatisches Bild. »Diese Einnahmen sind für uns durchaus nicht unerheblich, denn die Kollekte bildet, aufgrund der Historie der Pfarre und abgesehen von geringfügigen Pachteinnahmen, unsere Haupteinnahmequelle.« 

Daher wird in St. Andrä immer wieder für unterschiedliche Zwecke gesammelt: Strom, Kanalgebühren, laufende Abgaben, aber auch für Kerzen oder notwendige Reparaturen. »Dazu kommt, dass wir zwei große Kirchen zu erhalten haben«, so Sitar. Derzeit wird von den Rücklagen gelebt: »Wir haben sparsam gearbeitet. Unser kleiner Polster ist aber bald aufgezehrt. Ich habe daher angeregt, einen Härtefonds für jene Pfarren einzurichten, die nichts haben.« Gleichzeitig betont Sitar: »Das Finanzielle ist derzeit nicht der Hauptaspekt, es geht um die Menschen, die Grundkultur der Kirche, die Gemeinsamkeit. Das ist mir am wichtigsten.« Der St. Andräer Dechant steht laut eigener Aussage den verhängten Corona-Maßnahmen kritisch gegenüber: »Ich halte nichts von Gottesdiensten, die im Internet übertragen werden. Es ist wichtig, dass das Gemeindeleben wieder floriert und gemeinsam gefeiert werden kann – derzeit fehlt etwas Essenzielles. Die Menschen brauchen seelischen Beistand, der jetzt völlig fehlt. Ich finde es sehr traurig, dass zuerst über die Öffnung der Baumärkte statt über die Öffnung der Kirchen gesprochen wird.« Sitar kritisiert auch, dass sich »niemand um die Priester kümmert, die auch jetzt zu Sterbenden oder zu Begräbnissen gehen. In Italien sind mehr Priester an Corona verstorben als Ärzte. Mir fehlt die Verhältnismäßigkeit. Die Folgeschäden werden wir spüren, sowohl finanziell als auch menschlich.«

Gravierender Rückgang
Auch der Wolfsberger Pfarrer Christoph Kranitzki berichtet von einem gravierenden Rückgang bei den Spenden: »Da eine Kollekte jetzt nicht möglich ist, bleiben nur die Spenden, die im Opferstock hinterlegt werden, etwa in der Markuskirche. Auch private Spenden haben sich zuletzt verringert.« Im aktuellen »Markusblatt« hat Kranitzki daher den Gläubigen die Möglichkeit gegeben, ihre Pfarre zu unterstützen. Immerhin entfielen auch die Ostermessen, die traditionell besonders gut besucht sind, was sich auch in der Kollekte niederschlägt. Doch das Geld ist jetzt nebensächlich, sagt Kranitzki »Für uns als Pfarre ist das Wichtigste, die Menschen zu begleiten und ihnen nahe zu stehen. In diesem Bereich haben wir durch die Coronakrise mehr gewonnen als verloren. Es geht nicht um das Geld und den Verlust, sondern um die Seelsorge  und die Sorge um die Herzen der Menschen.«

Dechant Martin Edlinger, Provisor in Bad St. Leonhard, meint ebenfalls: »Derzeit ist die Seelsorge wichtiger als das Finanzielle.« Er gesteht aber zu, dass während eines »normalen« Osterfests ein »beträchtlicher Spendenbetrag« an die Pfarre fließt, der ihr heuer entging. Das Geld wird für den Pfarrbetrieb, die Betriebskosten, Kirchenbedarf, Ministranten und »natürlich auch die Seelsorge verwendet«, so Edlinger. »Aber augenblicklich gibt es andere Aufgaben als die Beschäftigung mit Finanziellem.« 

Kirchen werden geöffnet
Ab 15. Mai wird der Besuch von Gottesdiensten wieder möglich sein. Allerdings darf nur ein Gläubiger pro 20 Quadratmeter in den Kirchen eingelassen werden, dazu ist ein Mindestabstand von zwei Metern einzuhalten. Alle Teilnehmer müssen Masken über Mün-der und Nasen tragen und sämtliche Oberflächen in den Kirchen regelmäßig desinfiziert werden. Geplant sind Kontrollen an den Eingängen und Ordnungsdienste, um die Einhaltung der Regeln sicherzustellen. 

0 Kommentare Kommentieren

Keine Kommentare gefunden!

Liebe Leserinnen und Leser, in diesem Kommentarbereich prüfen wir alle Beiträge, bevor sie veröffentlicht werden. Ihr Kommentar erscheint, sobald er gesichtet wurde.

Bitte melden Sie sich an, um die Beiträge zu lesen oder zu kommentieren.AnmeldenHier Registrieren