Ein neuer Arbeitskreis will das Thema Demenz in der Stadtgemeinde St. Andrä enttabuisierenAusgabe 7 | Mittwoch, 12. Februar 2020

Michael Possegger ist Leiter des neuen Arbeitskreises »Demenzfreundliche Gemeinde St. Andrä«. Dieser versteht sich als Schnittstelle zwischen Betroffenen, pflegenden Angehörigen und diversen Einrichtungen und Behörden und will Angebote koordinieren.

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St. Andrä. Laut dem Land Kärnten leben  allein im südlichsten Bundesland Österreichs etwa 10.000 Menschen mit verschiedenen Formen von Demenz. Österreichweit sind es etwa 130.000 Personen, Tendenz steigend. »Die Dunkelziffer ist jedoch viel höher, da Betroffene es lange verschleiern können«, weiß Michael Possegger. Er ist Geschäftsführer des Altenwohn- und Pflegeheims der Caritas in St. Andrä, dem »Haus Elisabeth«, und Arbeitskreisleiter des neuen Projekts »Demenzfreundliche Gemeinde St. Andrä«.

Der Startschuss für den Arbeitskreis fiel am 17. Dezember 2019, als der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss zur demenzfreundlichen Gemeinde fasste. »Daraufhin wurde die Arbeitskreisgruppe gebildet«, erklärt Vizebürgermeisterin Maria Knauder.

»Im Alltag und im gewohnten Umfeld können Erkrankte die Demenz lange verschleiern«
Michael Possegger
Arbeitskreisleiter

Doch schon vor der Gründung des Arbeitskreises wurden in Sachen Demenz Dinge bewegt. »Bereits im Vorjahr wurde über die ›Gesunde Gemeinde‹ ein Pflegestammtisch einberufen«, so Knauder. Dieser Stammtisch, bei dem es unter anderem fachliche Beratung für Angehörige von Menschen mit Demenz, Austausch unter betroffenen Angehörigen und Aktivierung von erkrankten Personen gibt, findet unter dem Namen »Café Zeitreise« in regelmäßigen Abständen im »Haus Elisabeth« statt (Details siehe Info-Box).

In die Öffentlichkeit rücken

Der Arbeitskreis »Demenzfreundliche Gemeinde St. Andrä« hat es sich zum Ziel gemacht, als Schnittstelle zu fungieren und Angebote zu koordinieren. 

»Demenz ist nach wie vor ein Tabuthema, das wollen wir ändern«, betont Possegger. Ihm ist es wichtig, zu vermitteln, dass Menschen mit ihren Problemen nicht alleine sind: »Wird jemand durch Demenz zum Beispiel inkontinent, ergeben sich für die Angehörigen viele Fragen: Wie komme ich zu einer Pflegeeinstufung? Wo bekomme ich Windeln her? Hier wollen wir Wissen und Kompetenz steigern.«

Umgang mit Demenzerkrankten

Dafür hat der Arbeitskreis ein Jahresprogramm ausgearbeitet, das unter anderem Schulungen  im Umgang mit an Demenz erkrankten Personen für Vereine und in anderen Einrichtungen (Polizei, Apotheke) vorsieht. »Einer der ersten Hinweise auf eine Demenzerkrankung kann es sein, wenn sich Menschen aus Vereinen zurückziehen. Vielen Angehörigen wird die Krankheit aber erst bewusst, wenn der Betroffene plötzlich ein anderes, eventuell auch aggressives Verhalten zeigt«, sagt Possegger. Im Alltag und im gewohnten Umfeld können Erkrankte aufgrund ihrer Routine die Demenz lange verschleiern: »Zuhause ist alles wie gewohnt, doch wenn sie plötzlich ins Krankenhaus müssen und so aus ihrem Alltag gerissen werden, zeigt sich meist das Ausmaß der Demenz.«

Deshalb sei es auch sinnvoll, Demenzkranke so lange wie möglich im gewohnten Umfeld zu belassen. Zudem würden laut dem Arbeitskreisleiter insgesamt nur 15 Prozent aller pflegebedürftigen Personen in Österreich in Pflegeheimen betreut, der Großteil der Betreuung und Pflege erfolgt in den eigenen vier Wänden.

Bis zu 20 Personen arbeiten derzeit im Arbeitskreis »Demenzfreundliche Gemeinde St. Andrä« mit. »Wer noch mitarbeiten möchte, ist herzlich willkommen«, ergänzt Knauder.

Café Zeitreise
Wann:
Jeden zweiten Dienstag an geraden Kalenderwochen von 14 bis 16.30 Uhr.
Wo: »Haus Elisabeth«.
Nächster Termin: Dienstag, 18. Februar. Offene Beratungsrunde und als Aktivierung für Betroffene Faschingsgschnas der »Roten Nasen«.
Infos und Details zum Programm: www.caritas-kaernten.at/zeitreise

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