Am Wartkogel werden Hanf-Stecklinge aufgezogenAusgabe 21 | Mittwoch, 20. Mai 2020

Andreas Koitz ist Experimenten nicht abgeneigt. Nach einem Misserfolg im Vorjahr hat der junge Nebenerwerbsbauer in diesem Jahr erneut Hanf angepflanzt. Die Blüten und Blätter sollen Anfang September geerntet und anschließend zu Tee verarbeitet werden.

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Bad St. Leonhard. Viele kennen Andreas Koitz von seiner »Wurmfarm«. Das innovative Denken, das er bei der Aufzucht seiner Mehlwürmer an den Tag legt, verlagert er nun auch auf den eigenen Acker: Er baut Hanf an. Der Anbau ist, wie man sich denken kann, aus rechtlicher Sicht nicht ganz unproblematisch bzw. gilt es bestimmte Vorgaben einzuhalten, wie Koitz verrät: »Hanf verfügt über zahlreiche Inhaltsstoffe. Die bekanntesten davon sind CBD und THC. Letzteres ist für die Rauschzustände verantwortlich. Angebaut werden dürfen daher nur Pflanzen, die einen THC-Grenzwert von 0,3 Prozent nicht überschreiten.« Und auch kontrolliert werden die Hanf-Felder in Österreich. Ein Drittel der österreichweit angebauten Flächen werden jährlich überprüft.

Der Verkäufer muss garantieren
Die Pflanzen erhält Koitz von einer Grazer Gärtnerei. »Der Verkäufer muss zertifiziert sein und gibt eine Gewährleistung für den THC-Wert der Pflanzen ab. Da die Stecklinge Klone sind, haben alle die selben Werte. Es ist keine Fremdpflanze dabei.« Aus einem Sortenkatalog kann anhand des eigenes Bedarf gewählt werden. Die kleinen Stecklinge erreichen bis zu ihrer Ernte, die Koitz für Anfang September in Aussicht stellt, eine Größe von drei bis vier Metern. Entscheidend für das Wachstum ist vor allem, dass sie genug Wasser bekommen, die Düngung, so Koitz, sei nicht das große Problem. Über den Wind bestäuben sich die Pflanzen gegenseitig. »Obwohl Bienen nicht für die Befruchtung notwendig sind, habe ich im vergangenen Jahr viele Bienen auf den Pflanzen gesehen. Der Grund ist, dass Hanf früh und schnell wächst und den Bienen daher als Futterpflanze dient«, weiß der Landwirt.

Verzichtet wird nach der Ernte darauf, das CBD zu extrahieren. Der Aufwand wäre dafür zu groß. Auch die Fasern sind für Koitz (vorerst) kein Thema: »Interessant wären die Fasern, da sie vielseitig einsetzbar sind. Im Altbau wird mit Hanffasern zum Beispiel isoliert. Aber man müsste sie trennen, wofür eine eigene Maschine angeschafft werden müsste.« Der erzielte Ertrag nach der Ernte wird zu Tee verarbeitet.

Ehemaliger Skeptiker
War Andreas Koitz vor nicht allzu lang Zeit noch ein Hanf-Skeptiker, wurde er von Bekannten, die unter chronischen Schmerzen litten, von der unterstützenden Wirkung überzeugt. Im Vorjahr baute er erstmals Hanf an, leider ohne großen Erfolg: »Es waren einfach die falschen Pflanzen«, sagt er und fügt hinzu: »Da ich als Nebenerwerbsbauer tätig bin, kann ich mir solche Experimente erlauben. Ich bin nicht alleine vom Ertrag der Pflanzen abhängig.«

Unter den Hanfpflanzen, die im Abstand von zwei bis 2,5 Meter gesetzt werden, wächst zukünftig Weißklee. Dieser erzeugt Stickstoff und unterdrückt das Unkraut. »Unter den Pflanzenproteinen zählt das Hanf-Protein zu den hochwertigsten. Ein weiterer Vorteil der Pflanze ist, dass sie bei uns bislang so selten angebaut wurde, dass sich keine Schädlinge herausgebildet haben.«

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