Freitag, 24. November 2017

MedUni Graz: Fortschritte bei der Leukämie-Therapie

von Unterkärntner Nachrichten, 12.10.2016

Grazer Wissenschaftler sind schon seit einiger Zeit Vorgängen auf der Spur, die bei der Entstehung von Leukämie eine Rolle spielen. Von ihren jüngsten Entdeckungen dürften vor allem Patienten profitieren, die an akuter myeloischer Leukämie, einer häufigen Form dieser bösartigen Erkrankung, leiden. Mit der Entschlüsselung eines wichtigen Wirkmechanismus sind verbesserte Therapien in Reichweite gerückt.

Die akute myeloische Leukämie, kurz AML genannt, ist eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems und zugleich auch die häufigste akute Leukämie des Erwachsenenalters. An der Medizinischen Universität Graz beschäftigen sich schon seit einigen Jahren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Erforschung dieser gefürchteten Erkrankung, wobei auch die Entwicklung neuer bzw. verbesserter Therapiemöglichkeiten im Mittelpunkt der Arbeit steht.

Chaos statt Gleichgewicht

Das menschliche Blut besteht aus unterschiedlichen Arten von Zellen, die beim Prozess der Blutbildung aus Stammzellen im Knochenmark entstehen. Während die Produktion und die Erneuerung der Blutzellen bei gesunden Menschen sehr geordnet abläuft und sich das gesamte System sozusagen im natürlichen Gleichgewicht befindet, ist genau das bei Patienten mit akuter myeloischer Leukämie nicht der Fall. Der Blutbildungsprozess, der normalerweise von verschiedenen körpereigenen Signalen angeregt und gesteuert wird, verhält sich bei ihnen plötzlich chaotisch. Das gesamte System ist aus dem Gleichgewicht geraten. So entsteht die AML, der die Grazer Forscher in erster Linie nachspüren, durch eine bösartige Umwandlung von blutbildenden Stammzellen. Durch Veränderungen des Erbmaterials kann es vorkommen, dass sich die betroffenen Stammzellen völlig unkontrolliert und ungebremst vermehren bzw. teilen, ohne dabei jedoch funktionstüchtige Blutkörperchen zu entwickeln. Ganz im Gegenteil: Die durch den bösartigen Prozess entstandenen fehlerhaften Zellen breiten sich im Knochenmark und im Blut rasch aus, was wiederum die Bildung von gesunden Blutkörperchen verhindert.

Wichtiger Mechanismus entschlüsselt

Vor Kurzem konnten die Grazer Wissenschaftler zeigen, dass der Verlust eines ganz bestimmten Proteins – es trägt die wissenschaftliche Abkürzung RKIP – maßgeblich an der Entartung der Blutstammzellen beteiligt ist. Weil es zudem auch gelungen ist, Mechanismen aufzudecken, die diesen RKIP-Verlust überhaupt erst bewirken, sind damit neue bzw. besser wirksame Therapiemöglichkeiten in greifbare Nähe gerückt. So bietet sich die Möglichkeit, den RKIP-Verlust zu hemmen und damit das Wachstum der Leukämiezellen zu verlangsamen. Darüber hinaus sieht es ganz danach aus, als würde der in Graz entschlüsselte Mechanismus auch noch bei anderen Krebsarten eine wichtige Rolle spielen, bei denen es ebenfalls zu einem RKIP-Verlust kommt. In einem nächsten Schritt sollen die neuen Erkenntnisse bereits therapeutisch genutzt werden. Sie könnten dazu beitragen, die Wirksamkeit spezieller Chemotherapien zu verbessern.

Das blutbildende System

Die Blutbildung (Hämatopoese) ist eine der grundlegendsten und faszinierendsten Funktionen des menschlichen Körpers. Das wichtigste blutbildende Organ ist das Knochenmark, also das weiche, schwammige Gewebe im Inneren von Knochen. Hier sorgen spezielle Blutstammzellen für den erforderlichen Nachschub an roten und weißen Blutkörperchen sowie an Blutplättchen. Durch diesen Blutbildungsprozess entstehen bei einem Erwachsenen täglich mehrere Milliarden neuer Blutzellen, die andere, auf natürliche Weise abgestorbene Blutzellen ersetzen. Das erste blutbildende Organ ist jedoch die Leber, die beim Embryo für begrenzte Zeit die Blutbildung übernimmt, ehe die späteren blutbildenden Organe (Knochenmark, Milz und Thymus) ausgebildet sind.

Leukämie

Leukämie, auch „Blutkrebs“ genannt, bezeichnet verschiedene Krebserkrankungen des blutbildenden Systems. Daran können Menschen aller Altersgruppen erkranken. Auch wenn sich diese Erkrankungen im Einzelnen voneinander unterscheiden, so ist doch allen gemeinsam, dass es auf der Grundlage genetischer Veränderungen zu einer unkontrollierten Vermehrung von entarteten weißen Blutkörperchen (Leukozyten) kommt. Diese Leukozyten sind nicht ausgereift, also fehlgebildet und können ihre eigentliche Funktion, die Abwehr von Krankheitserregern, nicht erfüllen. Stattdessen vermehren sie sich unkontrolliert und verdrängen schließlich die gesunden Blutzellen. In weiterer Folge kommt es zu Blutarmut, Infektionen und Störungen bei der Blutgerinnung. Die Erkrankung betrifft den ganzen Körper und ist damit eine bösartige Systemerkrankung. Eine Leukämieerkrankung kann chronisch oder akut verlaufen. Während bei der chronischen Form meistens über einen längeren Zeitraum keine Symptome auftreten, setzt die akute Form sehr rasch ein und verläuft auch entsprechend schnell.

Unterkärntner Nachrichten

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