Freitag, 24. November 2017

Zum Welt-Alzheimer-Tag 2016: Hoffnung auf neue Therapien

von Unterkärntner Nachrichten, 12.10.2016

Am 29. September lenkte der Welt-Alzheimer-Tag die öffentliche Aufmerksamkeit einmal mehr auf eine der großen medizinischen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit: Morbus Alzheimer. Obwohl diese altersabhängige, degenerative Erkrankung des Gehirns nach wie vor nicht heilbar ist, gibt es jetzt neuen Anlass zu Hoffnung.

Morbus Alzheimer, auch die Alzheimersche Krankheit oder einfach Alzheimer genannt, ist eine neurodegenerative Erkrankung des Gehirns, die vorwiegend im fortgeschrittenen Lebensalter diagnostiziert wird. Wenn sich die für Alzheimer typische Demenz (Demenz lat. von „ohne Geist“) bemerkbar macht, hat sich die Erkrankung schon über Jahre oder gar Jahrzehnte entwickelt und befindet sich in einem weit fortgeschrittenen Stadium. Nach heutigem Stand des Wissens ist Morbus Alzheimer nicht heilbar. Die bisher zur Verfügung stehenden Medikamente können lediglich Symp­tome mildern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.

Vor einem Jahrhundert entdeckt

Der Name, den die Krankheit heute trägt, erinnert an ihren Entdecker, den deutschen Nervenarzt Dr. Alois Alzheimer (1864 – 1915). Er wurde durch seine Patientin Auguste Deter auf jene merkwürdige „Krankheit des Vergessens“ aufmerksam, die er als Erster erforschte und beschrieb. Nach Deters Tod 1906 erhielt Alzheimer die Gelegenheit, ihr Gehirn zu untersuchen. Dabei bot sich ihm durch das Mikroskop ein erschreckendes Bild: In Deters Gehirn mussten Milliarden von Nervenzellen zugrunde gegangen sein, ungewöhnliche Ablagerungen waren über weite Teile der Hirnrinde verstreut. Heute, 110 Jahre nach Deters Tod und Alzheimers Entdeckung, ist Morbus Alzheimer längst schon zu einer Plage der immer älter werdenden Menschheit geworden. Obwohl weltweit bereits weit über 100 Millionen Seniorinnen und Senioren davon betroffen sind und überall intensiv nach Therapien geforscht wird, tappen die Wissenschaftler in vielerlei Hinsicht noch völlig im Dunkeln.

Amyloide Plaques – Auslöser oder Folge der Krankheit

Obwohl die Ursachen der Alzheimer-Krankheit noch weitgehend unbekannt sind, wird seit Langem ein enger Zusammenhang mit den für Alzheimer-Patienten so typischen Eiweißablagerungen im Gehirn, den sogenannten „amyloiden Plaques“, vermutet. Diese Ablagerungen bestehen aus Fragmenten von Proteinen bzw. Eiweißen (Amyloid-beta), die vom Körper selbst hergestellt werden und normalerweise an der Bildung von Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen beteiligt sind. Im gesunden Gehirn werden diese Proteinreste zersetzt und abgebaut, nicht jedoch bei der Alzheimer-Krankheit. Im Gehirn eines Alzheimer-Patienten werden die amyloiden Plaques nicht wieder aufgelöst, sondern häufen sich immer mehr an. Zusätzlich verklumpen und verfestigen sie sich. Auch wenn die „Amyloid-Hypothese“ viele Anhänger hat, ist nicht eindeutig geklärt, ob die Plaques die Alzheimer-Krankheit auslösen und vorantreiben oder vielmehr nur eine Folgeerscheinung des Krankheitsprozesses sind. Manche Forscher halten es sogar für möglich, dass die Plaques ein letzter verzweifelter Versuch des Gehirns sind, bereits entstandene Schäden wieder zu reparieren. Außerdem werden amyloide Plaques manchmal auch in den Gehirnen von Menschen vorgefunden, die keinerlei Anzeichen von Alzheimer zeigen.

Berechtigte Hoffnungen auf neue Therapien?

Sollten aber jene Recht behalten, die in den Eiweißablagerungen die eigentliche Ursache der Erkrankung vermuten, könnte nun tatsächlich eine begründete Hoffnung auf neue, wirksamere Alzheimer-Therapien bestehen. US-Forschern und ihren Kollegen aus der Schweiz ist es nämlich gelungen, die Plaques im Gehirn zu reduzieren. Dabei greifen mit biotechnologischen Verfahren hergestellte Antikörper die Eiweißablagerungen an und sorgen für deren allmählichen Abbau. Im Rahmen einer Studie, deren Ergebnisse vor Kurzem veröffentlicht wurden, konnte eine gewisse Wirksamkeit zunächst in Tierversuchen und dann auch an über 160 Patienten nachgewiesen werden. Die Senioren, die im Zeitraum von einem Jahr mit Antikörpern behandelt wurden, befanden sich allesamt in einem noch relativ frühen Alzheimer-Stadium. Sie erhielten – mit Ausnahme einer Placebo-Gruppe – den Wirkstoff Aducanumab, der in Form von Infusionen verabreicht wurde. Aducanumab erwies sich besonders in hoher Dosierung als sehr wirksam, wenngleich einige Probanden wegen schwerer Nebenwirkungen vorzeitig aus der Studie genommen werden mussten. Bei den anderen, so berichteten die Forscher, sei es jedoch zu einem deutlichen Abbau der Plaques gekommen. Es scheine auch, als habe man das fortschreitende Nachlassen der Geisteskraft der Patienten gebremst. Allerdings müsse man die Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten der Patienten noch weiter untersuchen. Insgesamt wird es wohl noch einige Jahre dauern, ehe alle Tests mit dem Wirkstoff durchgeführt sind und, wenn bis dahin alles positiv verlaufen ist, neue Medikamente auf den Markt kommen können.

An der frühen Diagnose führt vorerst kein Weg vorbei

Auch in den internationalen Fachkreisen zeigte man sich von den Details der Studie durchwegs begeistert. Allerdings wurde auch mehrfach auf den Umstand hingewiesen, dass die Studie und die mit ihr verbundenen Therapieversuche bisher ausschließlich an Patienten durchgeführt wurden, die sich in einem noch recht frühen Stadium der Alzheimer-Krankheit befanden. Normalerweise wird Morbus Alzheimer bei einem älteren Menschen jedoch erst dann entdeckt, wenn die Krankheit schon weit fortgeschritten ist und große Teile des Gehirns bereits geschädigt und teilweise zerstört sind. Aus dem Umstand dieser meistens sehr späten Entdeckung resultiert übrigens auch das Hauptproblem der bisher zur Verfügung stehenden Alzheimer-Medikamente: Sie wirken deshalb nicht besonders gut, weil sie durch die späte Diagnose erst eingesetzt werden können, wenn bereits schwere und offenbar irreversible Schäden entstanden sind. Das ist auch der Grund, warum nach Ansicht vieler Fachleute bis auf Weiteres kein Weg daran vorbei führt, nach neuen Möglichkeiten der frühen Alzheimer-Diagnostik zu forschen. Je eher Alzheimer bei einem Menschen, der noch keinerlei Symptome zeigt, entdeckt wird, desto besser können Therapien wirken, die die weitere Entwicklung der Krankheit um viele Jahre verzögern.

Unterkärntner Nachrichten

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